"Bersch" Allerlei

26.12.10

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Cara      ( 17.09.2010)

 In  meinem Himmel, bist du ewig da.
Ich  hatte zuvor  keine Ahnung, wie nah mir der Himmel
mit DIR
hier auf Erden war.  
Ich wusste immer,
das du ein Engel sein musst!

Jetzt wo du mir fern bist,
weiß ich,
das du ein Engel gewesen bist.  

Vielleicht schätzt UND ERKENNT  man Engel erst dann,
wenn sie von uns gehen; irgendwann.  

Die Zeit mit dir war rein und klar und voller Liebe,
und jetzt wo du tot bist,
begreife ich es erst wirklich,
weil mir  mein Herz zerbricht.

IN LIEBE.

Ich war an deiner Seite.
Bis zum letzten Blick.
Und  ich wusste, es gibt kein zurück.  

Für dich war  ich  immer stark, --so dachte  ich.  

Heute  weiß  ich  schmerzlich,
stark war  ich  nur durch dich.  

Selbst  jetzt  noch, lenkst du  mein Dasein
mit deiner Güte und  deiner Seele  in  meinem Leben. 

Die  Zeit  mit dir  ist  unvergessen.

Alles  ist  gut, so  wie  es war.
Eine wundervolle Zeit rein  und  klar.  

Bis  wir   uns  wieder sehen
Und darauf  freue  ich  mich.................

Werde  ich  Schritt  für  Schritt
mein Leben gehen

ZU DIR.

 

 

 

02.07.2010

Es ist jetzt über 3 Monate her, das  meine Cara gestorben ist. Es  war  und  ist  eine schwere Zeit  für  uns  und  besonders für mich. Es  ist bis jetzt kein Tag vergangen, wo ich NICHT um sie geweint habe. Nur  ein  bis zwei Menschen scheinen dies zu verstehen, aber  ich habe gelernt , das es  nicht  wichtig ist ob es einer versteht.

Man kann Trauer  nicht teilen. (mit jemandem) Man muss Trauer alleine tragen.  Man kann sich "mit - teilen", aber dafür muss man gehört werden (wollen)

Ich für  mich , habe einen Weg  gefunden ein wenig Trost zu finden. Wie  immer in  meinen schweren Lebenszeiten ist  es im Wort..., sei  es  in Gedichten oder  in Lieder-Texte geschehen, das  ich  mich und  meine Seelenfreundin Cara (wieder) gefunden habe, nachdem  für mich alles so leer erschien.  Ich  bin  sehr glücklich darüber.

Die  3 nachfolgenden Texte sind  von der Gruppe " Unheilig"! Die Lieder  sind  im Internet  unter den bekannten Seiten abrufbar. Ich  kann die Lieder  nur  empfehlen, weil sie  wunderschöne Melodien  haben. Die Texte  sind  für  mich  aussergewöhnlich, weil  sie  für  mich wie  für CARA  geschrieben sind,  so als  hätte der " Graf "  unsere Cara gekannt, oder  wäre  bei  ihrem Tod dabei  gewesen.

 

Die  Lieder sind  zu finden auf  den CD´s  von der Gruppe Unheilig   Titel " Große Freiheit " ( absolut  empfehlenswert!  ) und  auf  der CD "Puppenspiel"  ch  bin dankbar. Ich  weiß das es  keine Zufälle  gibt auf der Welt. 

Dieses Lied hörte  ich einen Tag  nach  Caras Tod.

Geboren um zu leben:

Es fällt mir schwer,
ohne Dich zu leben,
jeden Tag zu jeder Zeit
einfach alles zu geben.
Ich denk' so oft
zurück an das was war,
an jenem so geliebten vergangenen Tag.
Ich stell' mir vor,
dass Du zu mir stehst,
und jeden meiner Wege
an meiner Seite gehst.
Ich denke an so vieles
seit dem Du nicht mehr bist,
denn Du hast mir gezeigt,
wie wertvoll das Leben ist.

Wir war'n geboren um zu leben,
mit den Wundern jener Zeit,
sich niemals zu vergessen
bis in alle Ewigkeit.
Wir war'n geboren um zu leben,
für den einen Augenblick,
bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.

Es tut noch weh,
wieder neuen Platz zu schaffen,
mit gutem Gefühl
etwas Neues zu zulassen.
In diesem Augenblick
bist Du mir wieder nah
wie an jenem so geliebten vergangenen Tag.
Es ist mein Wunsch,
wieder Träume zu erlauben,
ohne Reue nach vorn'
in eine Zukunft zu schau'n.
Ich sehe einen Sinn
seit dem Du nicht mehr bist.
Denn Du hast mir gezeigt,
wie wertvoll mein Leben ist.

Wir war'n geboren um zu leben,
mit den Wundern jener Zeit,
sich niemals zu vergessen
bis in alle Ewigkeit.
Wir war'n geboren um zu leben,
für den einen Augenblick,
bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.

Wie wertvoll Leben ist.

Wir war'n geboren um zu leben,

mit den Wundern jeder Zeit,
geboren um zu leben.

Wir war'n geboren um zu leben,
mit den Wundern jener Zeit,
sich niemals zu vergessen
bis in alle Ewigkeit.
Wir war'n geboren um zu leben,
für den einen Augenblick,
bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.

Wir waren geboren um zu leben.

 

Und  wenn  man  traurig ist, dann gehen einem  mit  jedem Tag  der vergeht die  verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Es  ist , als wenn man unterschiedliche Phasen durchlaufe in seiner Trauer.

Das nachfolgende Lied hörte ich dann das erste Mal von der Platte die ich mir gekauft hatte  und ich  dachte  wirklich , das Cara zu  mir spricht. Das war  zur der Zeit, wo ich mich fragte, ob sie vielleicht leidet, Angst hat, einsam ist, da  wo  sie  jetzt ist. (Ich schäme mich  nicht dafür!!)

Sternbild

Den Berg aus Stahl erklommen, das Boot legt ab,
Die Blicke sind gefallen, wir brechen auf zum Ozean,
Die Sterne führen uns, Sie leuchten aus der Nacht,
Schwarze Asche wiegt die See, es geht voran im Kolbenschlag,

Ein Horn zerreist die Stille, die Taue fallen ab
Der Bug hebt sich zum Himmel hoch und Rückenwind erwacht.

Hinter mir die Heimat, die im Horizont erlischt,
Doch im Herzen deine Stimme, die mir sagt: "kehr bald zurück".

Ich sehe so oft in den Himmel, such in Wolken dein Gesicht
Vielleicht ist Abschied eine Reise, die ein Wiedersehn verspricht
Ich höre so oft deine Stimme auch wenn ich weiss du bist es nicht...
Vielleicht ist Liebe wie ein Sternbild, das mir sagt: "ich führe dich"

Vergiss mich nicht
Vergiss mich nicht

Soviel Erinnerung lass ich hinter mir zurück,
Es wird so viel davon verblassen, außer dem was wichtig ist.
Vor mir die Stille, ein unbekanntes weites Nichts,
Doch im Herzen deine Stimme, die wie ein Sternbild für mich ist

Ich sehe so oft in den Himmel such in Wolken dein Gesicht
Vielleicht ist Abschied eine Reise, die ein Wiedersehn verspricht.
Ich höre so oft deine Stimme auch wenn ich weiss du bist es nicht...
Vielleicht ist Liebe wie ein Sternbild das mir sagt: "ich führe dich"...

Vergiss mich nicht
Vergiss mich nicht

 

Und  hier  schließt sich der KREIS  mit  diesem Lied  aus der Platte   Puppenspiel von Unheilig.

Ich selber habe hunderte Seiten geschrieben in meinen TB´s / Gedanken und Gedichte um Cara, an Cara, über  ihr Leben bei uns, über das was  sie  so Besonders machte als Lebewesen  und  auch  für uns. Ich  habe  über ihren letzten Tag bei uns  geschrieben. Hier auf HP  und  ausführlich in einer Geschichte. Ich habe versucht  für den Bersch , also für  uns alle, das zusammen zu fassen.  "Unheilig"  ist  es  tausend mal besser  gelungen. Der nachfolgende Text hat uns sehr getröstet. Wundervolle Worte  und  wunderschöne Lieder.

Hier  schließt sich der Kreis um Cara. So war  es  in der Tat an  unserem  letzten, gemeinsamen Tag. Und in unseren Herzen wird  es  immer  so sein. Cara-Unvergessen unser Mädchen.....

 

An Deiner Seite

Bleib still liegen mein Herz,
erschreck dich nicht.
Ich bin ein Freund
der zu dir spricht

Ich hab gewartet und gehofft,
dass der Moment vielleicht niemals kommt.
Dass er einfach vorübergeht.
Oder vielleicht niemals geschieht.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt bei dir zu sein.

Ich fang ein Bild von dir
und schließ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.
Ich fang ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz.
Den kriegt der Himmel nicht zurück.

Du kamst zu mir
vor jedem allerersten Ton.
Als das Zeitglas unerschöpflich schien.
Du hast gelebt,
in jedem Sturm mit mir gekämpft.
Nie etwas verlangt,
nur gegeben und geschenkt.

Hast mir gezeigt
was wirklich wichtig ist.
Hast mir ein Lächeln gezaubert
mit deinem stillen Blick.
Ohne jedes Wort,
doch voll von Liebe und Leben.
Hast so viel von dir
an mich gegeben.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Ich fang ein Bild von dir
und schließ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.
Ich fang ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz.
Den kriegt der Himmel nicht zurück.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Ich fang ein Bild von dir.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft
und jeden Moment mit mir geteilt.
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein.

Ich lass dich gehen
und wünsch dir alles Glück der Welt.
In diesem Augenblick
bist du das Einzige was zählt.
Lass dich fallen
und schlaf ganz einfach ein.
Ich werde für immer an deiner Seite sein.

 

 

31.03.2010 

Schwedisches Waldmärchen

An einem schönen Sommertage war um die Mittagszeit eine Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten die Köpfe unter die Flügel. Alles ruhte. - Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte:


"WAS IST DAS LEBEN"


Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine ROSE entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: "Das Leben ist eine Entwicklung."

Weniger tief veranlagt war der SCHMETTERLING. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: "Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."

Drunten am Boden schleppte sich eine AMEISE mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: "Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit."

Geschäftig kam eine BIENE von einer honighaltigen Blume zurück und meinte dazu: "Das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen." Sie stellte sich vor, wenn sie den Honig aus der Blume holt, das sei Vergnügen, aber wenn sie Waben baut, das sei Arbeit.

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte der MAULWURF seinen Kopf aus der Erde und sagte: "Das Leben ist ein Kampf im Dunkel." Dann verschwand er.

Die ELSTER, die selbst nichts weiß und nur vom Spott der anderen lebt, sagte: "Was ihr für weise Reden führt! Man sollte wunder meinen, was ihr für gescheite Leute seid"

Es hätte nun einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner REGEN eingesetzt hätte, der sagte: "Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen." Dann zog er weiter zum Meer.

Dort brandeten die WOGEN und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen, kletterten daran in die Höhe und warfen sich dann wieder mit gebrochener Kraft ins Meer zurück und stöhnten: "Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit." Hoch über ihnen zog majestätisch ein ADLER seine Kreise, der frohlockte: "Das Leben ist ein Streben nach oben"

Nicht weit davon stand eine WEIDE, die hatte der Sturm schon zur Seite geneigt. Sie sprach: "Das Leben ist ein Sich-Neigen unter eine höhere Macht"

Dann kam die NACHT: - In lautlosem Fluge glitt ein UHU durch das Geäst des Waldes und krächzte: "Das Leben heißt, die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen." -Schließlich wurde es still im Walde.-

In der Schule löschte der PROFESSOR, der über den Büchern gesessen hatte, die Lampe aus und dachte: "Das Leben ist eine Schule."

Nach einer Weile ging ein MANN durch die menschenleeren Straßen nach Hause. Er kam von einer Lustbarkeit und sagte vor sich hin: "Das Leben ist eine fortwährende Jagd nach Vergnügen und eine Kette von Enttäuschungen."

Morgens wehte ein leichter WIND durch die Straßen, der meinte: "Das Leben ist ein Rätsel."

Auf einmal flammte die MORGENRÖTE in ihrer vollen Pracht auf und sprach: "Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit"

 

Gedanken


Wisst ihr, ich habe mir vor einiger Zeit ein besonderes Küchenmesser gekauft. Ein Japanisches. Es ist nicht nur wundervoll anzusehen, es ist auch richtig scharf. Damit zu arbeiten ist ein wahrer Genuss.

Ich mache mir gerne zum Frühstück frisches Obst mit Joghurt, Müsli und Ähnlichem. Bisher habe ich meine Bananen, Orangen und Äpfel mit einem “normalen”, alten Messer geschnipselt. Eines von denen, die ich eben schon seit einer kleinen Ewigkeit in meiner Küchenschublade liegen habe.

Bis mir der Gedanke kam, dass ich doch schließlich jeden Tag dieses “Werkzeug” benutze. Überhaupt wollte ich, so meine Überlegung, mich auch dadurch aufs Wesentliche konzentrieren, in dem ich die Dinge, die mir wichtig sind “richtig” mache. Ohne Kompromisse. Bei dem ganzen “Rest” kann ich ja gerne auf Qualität verzichten - bei den “wesentlichen Dingen” möchte ich jedoch die Freude am Tun vollends genießen. Ich möchte mich dabei - so nahm’ ich’s mir vor - im Hier und Jetzt ganz auf die jeweilige Tätigkeit konzentrieren.


Glück entsteht oft
durch Aufmerksamkeit
in kleinen Dingen,
Unglück oft
durch Vernachlässigung
kleiner Dinge.
Wilhelm Busch

Natürlich kann ich das auch mit einem “billigen” Werkzeug. Mit einem hochwertigen, ästhetischen Werkzeug dagegen macht “es” mehr Freude. Viel mehr.

Wenn alle Sinne genießen können und es eben nicht mehr so sehr um das Endergebnis geht - sondern wenn jeder Teilschritt vom Vorbereiten, übers Zubereiten bis zum Aufräumen und Reinigen zur Zeremonie wird. Dann, wenn der berühmte Weg zum Ziel wird.
Ist nicht das Tun wichtiger
als das fertig werden,
sind nicht die Wünsche wichtiger
als die Erfüllung,
ist nicht das Gehen wichtiger
als das Ankommen?
unbekannter Autor

Es ist nutzlos den Rhythmus des Lebens
forcieren zu wollen.

Die Kunst des Lebens besteht darin zu lernen
allem und jedem die Zeit zu lassen, der es bedarf.
Carlo Petrini - Gründer von Slow Food®

Tja… das hört sich ja alles wunderbar an. Es sollte anders kommen: Gedacht, getan - Anton informiert sich also im Internet über die japanischen Messertypen, über den richtigen Umgang damit… und bestellt schließlich nach ein paar Tagen reiflicher Überlegung sein kleines Kunstwerk. Ein “Santoku” mit rund 30cm Gesamtlänge und schwarzem Holzgriff. Dazu ein formschönes Schneidebrett, quadratisch, in Bambus. Ach - und nicht zu vergessen, zwei verschiedene Schleifsteine, mit denen ich mein zukünftiges Messer auch weiterhin rasierklingen-scharf halten wollte.

Nach zwei Tagen ist es da - auspacken… bewundern… testen: Fein. Einfach hervorragend, wie es durch das “Schnittgut” gleitet.

Dann kommt jedoch das, was uns Menschen stets passiert: Unsere “Lernaufgaben” holen uns ein. In meinem Fall ist es ein tief liegender Glaubenssatz aus meiner Erziehung (wie ich annehme), der besagt, dass jegliches, teuer erstandenes Ding höchst pfleglich behandelt werden muss. Ist ja soweit auch völlig in Ordnung. Etwas überzogen mutiert jedoch dieses Prinzip zu: „Alles muss ein Leben lang halten, mit Samthandschuhen angefasst werden und am besten in einer Vitrine vor Beschädigung und Verschleiß geschützt werden.“
Naja. So ähnlich jedenfalls.

Jetzt sieht es so aus, dass ich mich “immer wieder” dabei ertappe wie ich mein wundervolles Messer “links liegen lasse”… um es zu schonen. Es geht ja so viel schneller und einfacher, die bewährte, alte Billigschneide aus der Schublade zu holen. Zwar liegt das japanische Meisterstück kunstvoll platziert und griffbereit auf dem Bambus-Schneidebrett. Dennoch ist mein internes Programm manchmal zu stark. Hinterher bemerke ich stets, dass der vermeintliche Zeitgewinn (und die vermeintliche Sicherheit) teuer bezahlt wird. Mit Lustverzicht. Es stellt sich sogar heraus, dass der Zeitgewinn genauer betrachtet gar keiner ist! Er löst sich in Luft auf. Denn mit etwas Abstand erkenne ich, dass es - das Obstschneiden - nur ein “mittel zum Zweck” war. Lästig und leider notwendig um schließlich das geschnittene Obst zu bekommen.

Dagegen ist dieses bewusste Ritual, wenn ich mit dem “schönen Messer” arbeite ungleich gehaltvoller. Ja es stellt sich sogar als “Gewinn” heraus, dass ich “mehr Zeit brauche”: Weil ich bewusster vorbereite, achtsamer schneide und ebenso hinterher Messer und Brett liebevoll reinige. Das mag in Minuten gemessen vielleicht doppelt so lange dauern. In „Lebenszeit“ gemessen ist diese jedoch “wirklich gelebte Zeit”. Ganz bei der Sache. Ohne Kompromisse.


Du kannst Dein Leben
nicht verlängern
- nur verTIEFEN.
Nicht dem Leben mehr Jahre,
aber den Jahren
mehr LEBEN geben.
Zähle das Leben nicht
nach Tagen und Jahren.
Zähle die Stunden,
da der ENGEL Dich BERÜHRTE.
Martin Buber

Genuss und Freude aus einer alltäglichen Verrichtung zu ziehen gibt sooo viel tiefe Ruhe. Seelenfreude. Nicht zu vergleichen mit dem monotonen Arbeiten im “Automatik-Betrieb”, wo Gedanken und Sinne zügellos umherstreifen und uns die Zeit wie im Flug vergeht. Sie verrinnt wie Sandkörner zwischen unseren Fingern. Beim achtsamen und bewussten Leben gibt es kein “verrinnen” in diesem Sinne mehr. Das ist dann eher wie ein Fließen. Als wenn wir knietief in einem Fluss stehen. Da würden wir nicht auf den Gedanken kommen, dass irgendwann mal kein Wasser mehr nachkommt oder dass wir etwas verlieren würden.

Nun, als ich letztens eben wieder in der Küche stand, um unser Müsli zuzubereiten - da fiel mir dies eben auf. Und ich bemerkte, dass es sich mit so vielen anderen Dingen in unserem Leben genau so verhält. Ob es um’s Putzen geht oder oft auch um den Beruf - wir machen es notgedrungen, schnell und unachtsam. Stets im „Schnell-Vorlauf-Modus“: Wir Spulen vorwärts um möglichst flott wieder an eine angenehme Stelle zu kommen. Wir sind froh, wenn’s geschafft ist und haben schon Angst vorm’ “nächsten Mal”.

Das ist es, was Ralph Waldo Emerson meint, wenn er sagt:
Wir stehen immer kurz davor zu leben
aber wir leben nie.
Ralph Waldo Emerson

Oder Michael Ende: Er fand diese bildhafte Beschreibung:
Alle Zeit,
die nicht mit dem Herzen
wahrgenommen wird,
ist so verloren,
wie die Farben eines Regenbogens
für einen Blinden
oder das Lied eines Vogels
für einen Tauben.
Michael Ende

Wie wundervoll muss das Leben sein, wenn dieses hektische “etwas-tun-um-endlich-etwas-zu-erreichen” wegfällt. Wenn einfach “alles okay” ist. Wenn wir, bei allem was wir tun, ganz bei der Sache sind. Wenn wir darin aufgehen und Erfüllung daraus schöpfen.

Das Schöne daran ist: Es ist dazu nichts weiter nötig als Bewusstsein. Wir brauchen keine tollen Werkzeuge, kein japanisches Santoku-Messer. Die machen zwar alles noch schöner und angenehmer. Jedoch reicht es völlig aus auf unsere Gedanken zu achten. Oder anders herum, sogar stärker: Es geht kein Weg daran vorbei! An unserem Kopf, an unseren Gedanken. Daran, dass es IN UNS liegt.

Das sich etwas in unserem Leben nur dann verändert, wenn WIR UNS verändern.
Die Herrschaft über den Augenblick
ist die Herrschaft über das Leben.
Marie von Ebner-Eschenbach

Das Schöne daran ist also, das Du jetzt sofort damit beginnen kannst. Prüfe, wie Du da sitzt. Was Du denkst. Prüfe, was Deine Sinne empfangen - was alles auf Dich einströmt. Und triff die Wahl, was Du davon wirklich möchtest. Die Besinnung aufs Wesentliche hat zur Folge, das wir eben auch “Nein” sagen. Zu den Dingen, die wir nicht haben möchten - Hetze, Unlust, Zeitgewinn, Effizienz etc.

Wir sagen dann, wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren zu allen anderen “nein”. Und wir sagen zu unserem Leben, zu uns selbst: “JA”.

Weniger ist eben doch oftmals mehr.

Ich wünsche Dir nun eine schöne Woche.

Ich wünsche Dir, das Du Dir die Zeit und Kraft nimmst, eine kleine, alltägliche Sache in Deinem Leben zum “Ritual” zu erheben. Bis schließlich aus dem ersten Schritt dieser kleinen Zeremonie weitere folgen.

Bis letztendlich das ganze Leben zu einem einzigen, wundervollen Ritual geworden ist.

Weiterleiten & Copyright
Ich freue mich natürlich, wenn Du die "Sprüche der Woche" an Freunde und Bekannte weiterleitest - dies ist ausdrücklich erwünscht… vielen Dank!
© Anton Korduan, www.korduan.de

 
 
Gestern Abend irgendwo in Deutschland

Auf meiner abendlichen letzten Runde mit meinen beiden Hunden (Kleinhunderasse 30 und 32cm, 4.5 und 6.0 kg) sah ich unter einer Autobahnzubringer-Brücke sieben Jugendliche, die aufgeputscht durch etliche Dosen Bier, bei meinem Anblick laut grölten:

"Ey Alte, wo sind denn die Maulkörbe für Deine Tölen??"

 Ich wollte kommentarlos an der Gruppe vorbeigehen, aber sie verstellten mir den Weg. Meine Hunde, die bis jetzt noch nie schlechte Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht hatten, waren völlig verängstigt, und versteckten sich (nicht gerade mutig, aber kein Wunder, denn es sind eben Kleinhunde, die noch nie eine böse Erfahrung mit Menschen hatten) hinter meinem Rücken.

Ich wusste, das es für mich keine Chance gab, heil aus der Sache rauszukommen, wenn ich jetzt ebenfalls aggressiv reagieren würde, und versuchte deshalb (innerlich panisch vor Angst) sachlich mit den Jugendlichen zu sprechen. Die fühlten sich allerdings durch die Tatsache, dass meine Hunde sich nicht wehrten, erst recht stark und reagierten nur mit höhnischem Gelächter.

Dann hörte ich hinter mir etwas, und drehte mich um. Ein "sog. Kampfhund der Klasse 1" kam auf uns zu und ich dachte nur: "Auch das noch, was passiert denn jetzt?" Der Hund lief an mir und meinen beiden Hunden vorbei und stellte sich zwischen uns und die Jugendlichen.

Mit starrer Körperhaltung, fast unbeweglich "nagelte" er die Jugendlichen förmlich auf Ihren Standorten fest. Einer in der Gruppe sagte dann:" Leute, lasst uns abhauen, wenn der loslegt, sind wir im Ar...!" Sie traten den Rückzug an, langsam und immer mit Blick auf den Hund, der sich nicht von der Stelle rührte, und die Gruppe im Auge behielt. Als ich die Jugendlichen nicht mehr sah, ging ich langsam in die Richtung aus der der Hund gekommen war, um nach dem Besitzer Ausschau zu halten.

 Er kam mir nach kurzer Zeit entgegen, wollte mir aber wohl aus dem Weg gehen, weil er meinte, ich würde ihn wegen des abgeleinten Hundes anpöbeln. Ich erklärte ihm dann, dass das nicht der Fall ist, und erzählte ihm, was vorgefallen war.

Daraufhin sagte er mir, dass er sich aufgrund der neuen Verordnung mit seinem Hund tagsüber nicht mehr auf die Straße trauen könnte, und deshalb spätabends seinem Hund den nötigen Auslauf geben müsse. Ich habe mich sehr für den "Gesetzesbruch" bedankt, denn ich weiß nicht, wie die Sache sonst für mich und meine Hunde ausgegangen wäre. Wir sind dann noch einige Minuten zusammen weitergegangen, (wobei die drei Hunde einträchtig nebeneinander herliefen) und ich fragte ihn, was passiert wäre, wenn die Jugendlichen trotzdem angegriffen hätten?

Daraufhin bekam ich mit einem kleinen Lächeln die Antwort:" Wenn er merkt, dass sein Imponiergehabe keinen Eindruck macht, bellt er laut und fordert so meine Hilfe, denn er ist nicht so mutig wie er aussieht, und weiß auch nicht, dass er ein "Kampfhund" ist, weil ich es ihm nie gesagt habe."

Dieser Vorfall könnte nach dem glücklicherweise gutem Ausgang leicht zum Schmunzeln anregen, wenn sie nicht in Deutschland passiert wäre. Ich werde daher, um meine Helfer zu schützen, keine Ortsangabe machen, denn sonst müsste der Hund aufgrund seiner Rasse die gute Tat wahrscheinlich mit seinem Leben bezahlen, denn er war zu diesem Zeitpunkt nicht angeleint.....

Letzte Nacht konnte ich nicht mehr schlafen, wie schon in so vielen Nächten in der letzten Zeit. Ich lag wach da und mir schwirrte die folgende Geschichte im Kopf herum. Ich beschloss aufzustehen und sie auf zuschreiben.

Vielleicht ist sie laienhaft geschrieben, aber ich wollte sie Euch trotzdem nicht vorenthalten.


Das Kopieren und Weiterleiten ist ausdrücklich erlaubt!

 

Eine Hunde-Weihnachtsgeschichte :-)

Alle sehr merkwürdig...

Meine Familie dreht durch, wirklich.
Ich liege harmlos auf dem Teppich im Wohnzimmer, alle viere von mir gestreckt.
Sonst bückt sich mal einer und streichelt mich. Aber heute stolpern sie nur über mich. Und sie reißen ständig die Tür auf, rennen rein und raus wie wild, rufen: "Weg da! Aus dem Weg, Flocki!"
Flocki, das bin ich. smile
Leider. Ob einer von ihnen krank ist? Ich mach mir Sorgen um sie. Da poltert schon wieder jemand über den Flur und stößt die Wohnzimmertür auf. ?
Ach, der Große ist es. Papa nennen sie ihn. Papa, Mensch, fall nicht über mich. Schon passiert.
Knurr ich ihn an?
Ne, lieber nicht. Sonst knurrt er zurück. Was schleppt er ins Wohnzimmer, der Papa? Einen Baum. Will er den verheizen? Ne, glaub ich nicht. Meine Familie heizt mit Öl. Bestimmt hat er den Wohnzimmerbaum für mich besorgt, fällt mir da ein. Der Papa möchte nicht, dass ich bei der Kälte raus muss; ist der lieb! biggrin
So ein schöner Baum und ganz für mich allein! biggrin
Vor Dankbarkeit spring ich auf und renn zum Baum.
Den will ich unbedingt und gleich ausprobieren. Da keift der Papa. "Lass das! Der ist nicht für dich! "Ach so... jetzt bin ich aber beleidigt. Mad
Schwanz eingekniffen und unter das Sofa. Ich möchte nur wissen, was er mit dem grünen Ding im Wohnzimmer anfangen will. Das ist heute des sehr merkwürdig. Confused
Ich krieche nach vorne zu meiner alten Stelle auf dem Teppich. Vorsicht! Der Papa kommt... und zack... stolpert er wieder über mich. Ich jaule laut auf, damit er mich zum Trost streichelt. cry
So... das war laut genug. Na los... bück dich, Großer, streichle mich. Aber nein, das tut er nicht. Er knurrt nur- "Lieg nicht im Weg. Verschwinde!" Unfreundlicher Kerl, denke ich.  evil
"Du sollst hören! Verschwinde!" ruft er und reißt die Tür auf. Er zeigt zum Badezimmer. Dorthin soll ich immer, wenn ich im Weg bin. Ich will aber nicht. Die Fußbodenfliesen sind so schaurig kalt. Leider muss ich. neutral

Ich liege da und spitze die Ohren. Aus den Zimmern der Kinder poltert und hämmert es. Aber vor allem riecht es überall ganz unverschämt gut nach großem Vogel. wink
Der Duft kommt aus der Küche. Gesehen hab ich den Vogel auch schon. Die Mama hat ihn rein getragen. Ein Riesending ohne Federn. Eigentlich ist das ungerecht. Ich darf keine Vögel jagen und schnappen, nicht mal einen kleinen. Das haben sie mir streng verboten. Wenn ich's doch tue, komme ich an die Leine. Aber die holen sich einfach einen Vogel. Ob die Mama höchstpersönlich hinter ihm her gerannt ist und ihn geschnappt hat?
Das hätte ich ja zu gerne gesehen. cool
Danach hätte ich die Mama zur Strafe an die Leine genommen. tongue

Wumm! wird die Tür aufgestoßen. Ich kann gerade noch weg springen. Der Kleinste rast ins Badezimmer und wäscht sich die Hände.
Ob er mit mir spielt? Ich stups ihn ins Knie. Dann renne ich ein paar Schritte weg. Meistens rennt er hinter mir her. Heute murmelt er nur: "Keine Zeit. Ich muss noch was fertig machen, und dann will ich die Schuhe putzen." Der will die Schuhe putzen! Freiwillig! ?
Er ist irre geworden, und er hat auch so einen seltsam roten Kopf und so ein komisches Glitzern in den Augen. Confused
Und schon flitzt er raus. Ich muss nachdenken, was das bedeutet. Ein Baum im Zimmer? In der Küche ein großer Vogel? Gebäckduft? Alle laufen aufgeregt hin und her und flüstern miteinander. Der Kleinste putzt die Schuhe. Freiwillig! Da fällt mir noch ein, das Mutter gestern das Haus geputzt hat, und Vater hat Päckchen aus dem Auto geholt. Jetzt bin ich fast ein dreiviertel Jahr alt, aber so eine Aufregung und so ein Durcheinander habe ich bisher nie erlebt. Mal schauen, was sonst noch alles los ist. Twisted Evil
"Wo hast du denn die Kerzen?" höre ich Mama. Wieso sucht sie Kerzen? Das elektrische Licht brennt doch. Wir haben keinen Stromausfall wie vor ein paar Wochen. Na ja, wahrscheinlich kommt er noch, der Stromausfall. Jetzt ruft Papa aus der Küche zur Mama ins Wohnzimmer: "Die Kerzen wolltest du mitbringen." "Ne, du", kommt von ihr zurück. "Ich weiß genau, das du gesagt hast. ich bring rote Kerzen mit", behauptet er. "Kann nicht sein", meint sie, "ich will gelbe." Dann rufen sie beide: "Klaus!"  Das ist der Älteste. Und es passiert noch ein Wunder.
winkwink
Klaus kommt sofort, als sie nach ihm rufen. "Lauf bitte schnell zum Kiosk und kauf vier Kartons rote Kerzen", sagt Papa. "Ne, gelbe", sagt Mama. "Also gut, zwei Kartons rote und zwei Kartons gelbe", entscheidet Klaus. Im nächsten Augenblick rennt er los. Mensch, hat der es eilig, und vier Kartons Kerzen will er holen. Dann gibt es bestimmt lange keinen Strom. Jetzt  höre ich die Mama: "Wir müssen uns beeilen. Die Verwandtschaft kommt in eineinhalb Stunden." Ich verstehe... das wird heute eine Familienversammlung. biggrin
Stromausfall und Rudeltreffen. Aber ne, dahinter steckt mehr, denn im Wohnzimmer sägt Papa unten am Baum herum. Das tut er sonst nie, wenn die Verwandtschaft kommt. Ob er den Baum Stück für Stück zersägt? Wahrscheinlich kriegt dann jeder Verwandte ein Stück Baum in die Pfoten... ne... Hände heißt das ja bei denen. Dann wäre das grüne Ding gerecht verteilt. Rolling Eyes

Aber Papa sägt nur das unterste Stückchen vom Baum ab. Jetzt kommt Susanne und zeigt ihm etwas. "Ist schön geworden", flüstert er.
In dem Augenblick öffnet Mama die Wohnzimmertür. Susanne versteckt das schöne Ding hinterm Rücken und drückt sich an Mama vorbei. Aha, Geheimnisse haben sie voreinander. wink
Aber sonst tun sie, als würden sie sich alles erzählen. Da spiele ich nicht mit! Los! Hinter Susanne her. Mad
Ich werde ihr das geheimnisvolle Ding abjagen und es Mama bringen. Schließlich gibt sie mir immer Futter. Sie soll auch mal was von mir kriegen. Ich spring an Susanne hoch und habe es schon fast im Maul, das geheimnisvolle Päckchen. Aber da wird Susanne  giftig und schimpft. "Lass das! Verschwinde!", Sie stößt mich weg. Ich geb auf und versteck mich unterm Sofa. Rolling Eyes
Klaus kommt gerade mit den Kerzenkartons zurück. Zur Abwechslung ruft Papa jetzt ganz erschreckt: "Schon so spät! Und der Baum steht immer noch nicht!" Wieso soll der Baum zu einer bestimmten Zeit im Wohnzimmer stehen? Keine Ahnung. Und als er dann aufrecht, prächtig und grün mitten im Zimmer viel Platz wegnimmt, passiert schon wieder etwas Komisches. Sie lassen ihn nicht einfach so stehen, nein, sie hängen runde Glaskugeln dran.
Seltsam, seltsam.
Und während sie das tun, fragt Klaus: "Wann zünden wir den Baum an?" Ne, das gibt es nicht! Baumanzünden in der Wohnung! Die machen heute nur Quatsch. Twisted Evil
Mit zwei Sätzen springe ich zum Baum. Ich stell mich davor und knurre jeden an, der näher kommt. Im Notfall werde ich auch beißen. Ich zeige ihnen schon mal meine Zähne, diesen Brandstiftern.  Twisted Evilevil

"Ich kann den Baum nicht schmücken, wenn mich der verrückte Kerl nicht ranlässt", schimpft der Große. Wer ist denn hier verrückt, hm? Erst den Baum schmücken und dann anzünden. Ich bin ganz verwirrt und verstehe gar nichts mehr. Confused
Sie sind sonst ziemlich normale, nette Leute. Aber heute ist irgendeine Schraube bei ihnen locker. Eigentlich hat das schon vor ein paar Tagen angefangen. Plötzlich wurden sie alle aufgeregt. Dann sind sie nicht mehr zur Schule und zur Arbeit gegangen. Wahrscheinlich ist es irgendwas mit den Nerven. Was sehr Ansteckendes. Mama sagt zu den Kindern: "Ihr müsst euch umziehen! Und der Hund soll noch gekämmt werden." Bloß nicht. Das ziept so. Moment mal, ich glaube, dass ich was verstanden habe. Sie ziehen sich manchmal um, wenn sie weggehen. Wahrscheinlich gehen sie also weg, sozusagen Gassi. Ich darf mit und soll vorher gekämmt werden. Aber die Verwandtschaft kommt hierher, das ganze Familienrudel.
Jetzt dämmert's mir. Klar, weil die Verwandtschaft kommt, geht meine Familie. Sonst wäre nicht genug Platz für die Verwandtschaft. Aber der Baum, was soll der? Wahrscheinlich kommt er mit. Vielleicht wurden meine Straßenbäume abgehackt. Das wär dann der Ersatzbaum, und sie schmücken ihn, damit er schön aussieht. Aber warum wollen sie ihn anzünden? Damit komme ich nicht klar. Naja, man kann die Menschen eben nicht ganz verstehen, tröste ich mich. Ich leg mich an die Küchentür. Dort ist der Duft am herrlichsten. Vor allem der große Vogel riecht... hm, ganz wunderbar. Dazu kommt noch ein Geruch. Irgendeine besonders gute Wurst. Die Küchentür steht offen und die Speisekammertür auch.

 Sehr nett. Auf leisen Sohlen in die Küche und zur Speisekammer geschlichen. Da guckt mich eine unglaublich prachtvolle Wurst an. Sie duftet... zum Verlieben, zum Auffressen herrlich. Das halte ich nicht aus. Die schnappe ich mir. Schon geschehen. Und jetzt husche ich unauffällig mit der Wurst im Maul über den Flur und suche uns ein gemütliches Plätzchen, meiner duftigen Wurst und mir. Keiner hat uns gesehen. Unterm Wohnzimmersofa liege ich sehr gemütlich, die Wurst zwischen den Pfoten. Der Große hängt Sachen an den Baum, den er nachher anzünden will, und niemand verbietet ihm das. Im Gegenteil, die Mama kommt und lobt ihn. Verstehe ich nicht, aber die Wurst schmeckt. jetzt klopfen die Kinder an die Tür und fragen: "Wie lange dauert's denn noch?" "Na, eine Viertelstunde", antwortet die Mama. Warum klopfen die Kinder plötzlich? Das tun sie sonst nicht. Egal, noch ein Happen, und die Wurst ist aufgefuttert. Leider, lecker war's. Und jetzt verziehe ich mich an die frische Luft. Das tut gut nach dem Essen. Vielleicht vergessen sie in der Zwischenzeit, das sie mich eigentlich kämmen und bürsten wollten. "Wo kommst denn du her?" fragt Papa, als ich unter dem Sofa verkrieche. Dumme Frage, er sieht doch, wo ich herkomme. Ich stell mich vor die Haustür und belle. Da wissen sie, daß ich raus will. Der Kleine macht die Tür auf. Nett von ihm. "Flocki ist ja noch gar nicht gekämmt!" ruft Susanne hinter mir her. "Alte Petze!" knurre ich. Leider versteht sie mich nicht. Schön ist es draußen. Aus den meisten Häusern scheint Kerzenlicht. Da hat der Stromausfall wohl schon angefangen. Ein Mann kommt mir entgegen. Wer ist denn das? Auf dem Kopf trägt er eine rote Mütze, und auch sein Mantel ist rot. Ein dicker Rauschebart verdeckt das Gesicht. Und auf dem Rücken schleppt er einen Sack. Sehr verdächtig finde ich das und gehe hinter ihm her. Der seltsame Kerl will zu uns, merke ich. Das kommt nicht in Frage! Schließlich bin ich hier der Wachhund. Ich renne zu unserer Haustür und stelle mich davor. Keinen Schritt weiter, heißt das, sonst beiße ich. Zur Warnung knurr ich den Mann an. Aber der geht noch einen Schritt auf mich zu. Er kann wohl nicht hören. So ein komischer Kerl! Der ist ja schlimmer als der Briefträger. Jetzt faßt er den Türgriff an. Ich faß auch zu und zwicke ihn kräftig ins Hosenbein. Da jault er auf. Den Türgriff läßt er los und rennt den Gehsteig hinunter. Ein Stückchen renn ich hinter ihm her, spring an ihm hoch und belle. Den hab ich verscheucht, hat Spaß gemacht. Wehe, der läßt sich noch mal blicken. Bei uns kommt keiner rein, wenn ich das nicht will. Jetzt taucht die Verwandtschaft auf, Opas, Omas, Onkel und Tanten. Ich gehe mit ihnen ins Haus.
Das Familienrudel ist vollzählig. Aber nein, es fehlt wohl doch noch jemand, denn jeden Augenblick rennt eines der Kinder zur Haustür, guckt raus und fragt: "Wann ist er denn endlich da, der ... ?" Und dann sagen sie ein komisches Wort, das ich nicht richtig verstehe. Ich hab es vorher noch nie gehört. Es klingt nach Nacht und Mann, mit irgendwas davor. Ob der auch zur Verwandtschaft gehört?

 
Wann dieser Mann da sein wird, weiß ich nicht. Aber auf keinen Fall kommt einer mit rotem Mantel, Bart im Gesicht und Sack auf dem Rücken. Den hab ich verscheucht. Und wenn der noch mal kommen sollte, ist was los! Die Mama fragt: "Wo steckt denn die Extrawurst für Flocki?" Ach so, das war meine Wurst, die ich vorhin gefressen habe. Die steckt in meinem Bauch. Da steckt sie ganz prima. "Ich finde sie nicht", höre ich aus der Küche. "Aber für alle Fälle habe ich eine zweite Wurst. Die legen wir ihm unter den Baum." Sehr gut. Die Mama ist ausgesprochen nett.
Ich verstehe bloß nicht, warum die Wurst unter den Baum gelegt wird.
Normalerweise kommt mein Futter in den Napf. Plötzlich höre ich ein Pochen an der Terrassentür im Wohnzimmer. Nichts wie hin. Und wen sehe ich? Den Kerl mit Rauschebart und Sack auf dem Rücken. Der Papa springt auf.
Ich aber auch. Er öffnet die Terrassentür und ich mein Maul. Laut bellend stürze ich mich auf den seltsamen Kerl. "Flocki!" rufen alle. "Nicht!" Warum denn nicht? Die sind gemein. Ich soll wohl gar keinen Spaß haben. Der Kerl ist verdächtig. Das finden sie aber gar nicht. Sie lächeln ihn freundlich an. "Endlich!" sagt Mama, und der Komische mit Rauschebart sagt: "Ich wäre früher gekommen und nicht durch die Terrassentür. Aber der hat mich verjagt." Er zeigt auf mich, und ich kläffe stolz. Sie sollen ruhig merken, wie tüchtig ich bin. "Aber Flocki", erklärt Susanne, "das ist doch der ... " Wieder höre ich dieses seltsame Wort mit Nacht und Mann und irgendwas davor, das ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Danach sagt der Papa. "Jetzt zünden wir den Baum an." Ich jaule nochmal. Das sollen sie nicht tun. "Pst, Flocki", beruhigt mich Mama. Und dann meint sie: "Den Flocki verwirrt der Rummel heute sehr." "Kann man wohl sagen", knurre ich. Aber mich versteht ja doch niemand. Jetzt beachtet mich auch keiner mehr. Alle drängeln ins Wohnzimmer. Mir ist klar, daß ich heute sehr gut aufpassen muß, sonst geht noch mehr schief.

Es ist schon ein seltsamer Tag, wirklich!

 

 

 

 

 
 
 
Worte aus einem Plädoyer von US Senator George Vest vor einem Gericht in Missouri.
Dort wurde über den Totschlag eines Hundes verhandelt:


Der beste Freund, den ein Mensch auf der Welt hat, kann sich eines Tages gegen ihn wenden und sein Feind werden. Sein Sohn oder seine Tochter, die er mit liebender Fürsorge aufgezogen hat, können ihn undankbar verlassen. Menschen, die uns am nächsten stehen, denen wir unser Glück und unseren guten Namen in die Hände legen, können zu Verrätern werden. Das Geld, dass ein Mensch erworben hat, kann ihm genommen werden, wenn er es am nötigsten braucht. Der Ruf eines Menschen kann durch eine einzige unbedachte Handlung für immer verloren sein. Die Menschen, die uns bewundernd umschwärmen, wenn wir erfolgreich sind, können die ersten sein, die Steine werfen, wenn der Schatten des Unglücks unser Leben verdunkelt.

Der einzige gänzlich selbstlose Freund den ein Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt finden kann, der einzige, der ihn nie verlassen , der einzige der nie undankbar, nie falsch und verräterisch sein wird, ist sein Hund.

Eines Menschen Hund bleibt bei ihm in Reichtum und Armut, in Gesundheit und Krankheit. Er schläft auf dem kalten Boden, wenn die eisigen Winterwinde blasen und den Schnee vor sich herumtreiben, wenn er nur nicht von der Seite seines Meisters weichen muss. Er küsst auch die Hand die ihm kein Futter mehr reichen kann, er leckt die Wunden und Beulen, die eine rauhe Welt uns zugefügt hat. Er bewacht den Schlaf eines Ausgeflippten als wäre es ein Prinz. Wenn uns auch alle unsere menschlichen Freunde verlassen, der Hund bleibt da! Wenn unser Wohlstand zerfällt unser guter Ruf dahingeht, bleibt er unverändert in seiner Liebe wie die Sonne die täglich neu ihren Bogen am Himmel beschreibt.

Wenn es das Unglück will, dass der Meister zum Ausgestoßenen wird, ohne Freund und ohne Heim, verlangt der treue Hund kein weiteres Vorrecht als ihn begleiten zu dürfen, um ihn vor Gefahren zu beschützen und gegen seine Feinde zu kämpfen.

Kommt einmal die letzte Stunde heran, wo der Tod den Meister in Gewahrsam nimmt und sein Körper in die kalte Erde vergraben wird, dann wird man den edlen Hund beim Grabhügel finden.

Auch wenn alle anderen Freunde ohne aufzumerken daran vorbeigehen, der Hund wird dort bleiben, seinen Kopf zwischen die Pfoten gelegt, seine Augen traurig, doch offen in Wachsamkeit - verlässlich und treu auch im Tode
Mir hat es gefallen..
vielleicht euch auch ??

Erich Kästner und seine Katzen

Die vier Katzen, die zu halten und über die zu schreiben ich die Ehre und das Vergnügen habe, sind aufgetaucht. Sie kommen, wenn wir schreiben, überhaupt gern in unsere Nähe. Das Thema ist ihnen gleichgültig. Daß sie diesmal selber an der Reihe sind, interessiert sie nicht weiter. Es geht ihnen ums Prinzipielle. Es tut ihnen wohl, wenn andere Leute arbeiten. Dann genießen sie ihr eigenes Nichtstun doppelt und dreifach. Vielleicht ist auch Mitleid mit im Spiele. Vielleicht denken sie: "Da rackert er sich nun ab, damit er für uns frisches Schabefleisch kaufen kann !"
Wie dem auch sein mag - die vier sind lautlos und `ganz zufällig´ eingetroffen. Lollo, persisch blau mit goldenen Augen, eine Prinzessin im Pelz, hockt auf dem vierten Betonpfosten des Lattenzaunes zur Linken und starrt angelegentlich ins Gemüsebeet. Sie bezeugt ihre Aufmerksamkeit, indem sie von mir wegschaut. Das ist so ihre Art. Sie hat einen ausgeprägten Sinn fürs Kapriziöse. Es wäre aber auch möglich, das sie mich nicht von der Arbeit ablenken will. Denn sie hat ein Stiefmütterchengesicht, vor dem man rettungslos dahin schmilzt, und sie weiß es. Vielleicht will sie also nur verhüten, das mich mein Schönheitssinn überwältigt. Gesenkten Kopfes mustert sie die Möhren und den Sellerie. Schreiben soll ich, nicht bewundern.
Anna, die Jüngste und Kleinste, schwarz und weiß, mit rosafarbener Nasenspitze, hat wohl im Schatten der Fliederbüsche oder unter der Blautanne geschlafen. Jetzt sitzt sie, hast du nicht gesehen, am Bach und zählt die Forellen. Obwohl sie längst weiß, das es nur zwei sind. Oder sie forscht nach der winzigen Ringelnatter, die sie gestern, stolz und unter spitzen Triumphschreien, apportierte. Es sah aus, als hielte sie zwei bis drei Paar schwarzer Schnürsenkel zwischen den Zähnen, und die Nase glühte vor Eifer kirschrot. Da sich die winzige Schlange tot stellte, ließ Annas Interesse sehr bald nach. Was sich nicht bewegt, interessiert Katzen nicht. (Wenn das die Mäuse wüssten!) Ich trug die Ringelnatter, die das Abenteuer heil überstanden hatte, zum Wasser zurück und schon schlängelte sie sich davon.

``Anna!´´ ruf ich im Flüsterton. Sie blickt flüchtig herüber, wendet sich wieder ab und manikürt die linke Vorderpfote. Es sieht aus, als lache sie sich leise ins Fäustchen. Dass sie Lollos Tochter ist, glaubt nur, wer es weiß. Viel eher ähnelt sie nach Aussehen und Temperament dem Papa, einem durchaus unpersischen bunten Kater aus der Umgebung, den wir den ``Pennäler´´ nannten und der sich nach der hitzigen Wiesenhochzeit mit Lollo nie wieder sehen ließ. Anna hat wie er kurze gekrümmte Fußballerbeine, klettert gern auf Bäume, beherrscht die viel schwierigere Kunst des Herunterkletterns meisterhaft, hält das Hausdach für ein an schönen Abenden erstrebenswertes Ausflugslokal, wird oft, aus Versehen, in Schränken eingeschlossen und hat auch sonst nichts Orientalisches oder gar Fürstliches an sich. Bis auf die Augen! Die geheimnisvoll goldenen Augen hat sie von der Mutter. Sie schauen aus dem schwarzweißroten lustigen Gesicht heraus, als säße in unserer Anna eine zweite, eine fremde und ganz andere Katze drinnen. ``Anna!´´ rufe ich noch einmal. Doch jetzt treibt sie Gymnastik, steckt ein Hinterbein kunstvoll hinter den Kopf, wäscht sich das weiße Frackhemd und hat keine Sprechstunde.

``und hat keine Sprechstunde´´, schreib ich eben, da streicht unterm Tisch eine große Katze an meinen Beinen entlang. Man könnte noch besser sagen, sie streichle sich entlang. Bevor sie weiterwandert, wartet sie gurrend, dass ich ihr einen zärtlichen Klaps gebe. Das gehört zum Zeremoniell. Sie kriegt ihren Klaps. Dann kommt sie unterm Tisch hervor und schlendert, angoraschwarz mit grünen Augen, in den noch ungemähten Teil der Wiese, wo sich, hinter hohen Halmen, Hahnefuß und rotem Klee, ein von ihr geschätztes schattiges Grasbett befindet. Eine Höhle mit dem blauen Himmel als fernem Dach. Ein luftiges Ruhelager für die Siesta einer älteren Dame. Die Schwarze heißt Pola und lebt mit uns schon so lange zusammen, daß wir uns scheuen, ihr die Jahre nachzurechnen, die sie hinter sich und, der Wahrscheinlichkeit nach, noch vor sich hat.

Wenn sie die Stiege im Haus herunterkommt, klingt es mitunter, als habe sie ein Holzbein. Wenn sie, im Luftsprung, Kohlweißlinge erlegt, wenn sie Mäuse abliefert oder gar, wenn sie sich, abends im Wohnzimmer, scheinbar längst vergessener Spiele aus ihrer Kinderzeit erinnert und sie uns und den drei jüngeren und staunenden Katzen vorspielt, dann ist sie nicht die älteste, sondern die jüngste der vier. Ihre Autorität wird trotzdem von den drei anderen nicht eine Sekunde angezweifelt. Anciennität und Rang sind in dem Quartett ein und dasselbe. Wer, gleichzeitig mit ihr, in die Küche einbiegt und fressen will, weiß, das er vor den vier Tellern zu warten hat, bis sich Pola zu einem der Gerichte entschließt, ``Mahlzeit!´´ sagt und zu fressen beginnt. Am leichtesten fällt den dreien der eingeborenen Gehorsam, wenn auf einem Teller grüne Bohnen serviert sind, Haricots verts, etwas für Feinschmecker. Grüne Bohnen sind ausschließlich Polas Spezialität.
Die einzige Katze, die, selten genug auch dann nur für Augenblicke, Tradition und Respekt vergisst, ist unser einziger Kater. Er wiegt fünfzehn Pfund, trägt wie Lollo einen blaugrauen Pelz, heißt Butschi und ist Polas Sohn! Sein Vater war ein berühmter Perser, lebte in einem Zwinger am Starnberger See, empfing viel Damenbesuch und wurde eines Tages gekidnappt. Seitdem hat man nichts von ihm gehört. Butschi seinerseits fiel einmal, als er noch ein sehr kleiner Junge war und niemand es sah, von unserem Schwabinger Balkon, verkroch sich unauffindbar unter einem Schuppen, litt ohne Laut und wurde von uns erst nach zwei Tagen und Nächten eifrigen Suchens entdeckt. Da brüllte er vor Schmerzen wie ein Löwe. Er wurde wieder gesund. Er wuchs und wurde ein Riese. Aber ein Riese mit menschlichen Zügen, mit Anfällen von Zweifel an der ihm verliehenen Kraft und Größe. Nur manchmal besinnt er sich, fast abrupt, auf das Thema ``Geschlecht und Charakter´´, verteilt Ohrfeigen, faucht sogar Pola, seine Mutter, an und rebelliert gegen das Matriarchat.

Butschis Putschversuche währen nicht lange. Die verwunderten Blicke, mit denen ihn die drei Katzen betrachten, irritieren und ernüchtern ihn. Manchmal läuft seine Mutter vor ihm davon und verkriecht sich. Ihre Angst ist die pure Ironie. Das spürt er. Und dann fügt er sich wieder in sein Schicksal. Und wird der sanfte Riese, der er ist.

Erich Kästner

 

 


 

Celina

Stafford-Shire Hündin 1996 bis 2003

Schwarzer Engel ohne Flügel

 

 Kapitel 1, Lebens-Station 1…bis 18. Mai 1996

 

Kurze Vorgeschichte

 

Ein kleines Dorf in Hessen. Hier lebten 1996 Familie Jacobi und Familie Schmidt. Der blonde Labrador der Schmidts deckte die schwarze Stafford-Shire-Hündin der Jacobis. Man nahm dies eher gelassen zur Kenntnis. Es war ja schließlich nicht verboten. 

Eine der daraus entstandenen Hunde war Celina. 

Celina hatte rabenschwarzes, kurzes Samt-Fell und war gut bemuskelt … mit einem breiten Grinsen um die Hundeschnauze und Knicköhrchen, liebevolle Sorgenfalten zwischen den großen rehbraunen Hundeaugen… 

Celina wurde im Frühjahr 1996 als Stafford-Shire (-Mix) geboren.

 Mit knapp 8 Wochen zog sie zu Familie Maurer: Das Ehepaar Horst und Maria Maurer, sowie deren 15jährige Tochter Maren. Die Jacobis hatten bis dahin alles „für ihre Welpen getan“, doch mit dem Auszug der kleinen Hunde legten sie auch sämtliche Verantwortung für das weitere Leben der wachsenden Welpen, IHRER WELPEN, ab. Einmalig aus Versehen zu Hobbyzüchtern geworden, sahen sie ihre Möglichkeiten damit als bestens erledigt an.

Kapitel 2, Lebens-Station 2

Mai 1996 – Januar 1998

Welpe Celina bei Familie Maurer

Die Sonne wirft auch erste Schatten

 

Celina wuselte durch das Haus und dem aufregenden großen Garten der Maurers. Im hinteren Teil des Gartens war eine Ecke abgeteilt, wo Celina auch mal herzhaft buddeln und sich lösen durfte.

Celina lernte schnell, das genau dieses eben auch nur genau dort erwünscht war. Horst Maurer fuhr schon morgens um 5 Uhr weg zur Arbeit und kam nie vor fünf Uhr abends wieder. Meist sogar noch später. Anfangs spielte er dann noch mit Celina, doch bald war er dazu zu kaputt.

Maren Maurer besuchte die 10. Klasse der Realschule. Bevor sie zur Schule aufbrach, joggte sie eine kleine Runde mit Celina. Wenn Maren dann zur Schule war, kam die Zeit von Hausfrau Maria Maurer und ihrem schwarzen Schatten. Maria genoss es, nun auch tagsüber etwas Lebendiges um sich zu haben und sprach den ganzen Vormittag mit freundlicher Stimme mit Celina. Celina wackelte Rute wedelnd jeden möglichen Schritt der freundlichen Menschen-Frau mit und lauschte aufmerksam dem melodischen Klang der Stimme. Maria hatte eigentlich keine große Lust mit Celina spazieren zu gehen und die Erziehung zu übernehmen, das überließ sie ihrer Tochter. Doch die Hausfrau und die Hündin genossen die intensive Zeit miteinander und Celina lernte vieles einfach nebenbei, schon bald, wenn Maria sagte „Ich muss jetzt staubsaugen“ lief der pfiffige Welpe vor zum Wandschrank, in dem der Staubsauger stand. Und wenn Maria Maurer die Küche fegte, saß Celina aufmerksam dabei und wartete ungeduldig auf das Kommando„Handfeger“, den sie dann voller Freude brachte.

Celina wollte dem Menschen, der den ganzen Tag für sie da war, einfach nur gefallen und sie gefiel diesem Menschen.

Manchmal kam auch die Nachbarin vorbei. Oft brachte sie ihren wilden  Sohn Momo mit und dieser und die Hündin Celina genossen Tobe- und Kuschelspiele. Celina lernte schnell mit Menschenkindern vorsichtig umzugehen und wenn es ihr genug war, ging sie einfach davon. Doch eigentlich war Celina viel zu geduldig und auch zu verspielt, um wirklich mal genug zu haben und so ließ sie sich nie lange bitten, die nächste Spielrunde einzuläuten. Momos Mutter und Maria Maurer beobachteten lächelnd das Spiel des ungleichen Paares.  

Wenn die 15jährige Maren von der Schule kam, wurde erstmal mit Celina getobt. Noch bevor sie ihrer Mutter auch nur Guten Tag sagte. Maren nahm die vorher abgesprochene Aufgabe der Hunde-Erziehung sehr ernst und opferte einen großen Teil ihres Taschengeldes für die Hundeschule im Nachbar-Ort. Celina war ein kleiner Star der Spielgruppe dort und lernte schnell und immer voller Begeisterung. Celina lernte problemlos Komm, Bei Fuß, Sitz, Platz, Mach Rolle, Gib Pfötchen, Schäm Dich, Links und Rechts. Und einige andere Kunst-Stückchen. Und da sie so ein begeisterter Schüler war, lernte sie diese Befehle sowohl auf Stimme wie auch auf Sichtzeichen. Ebenso gab es in der Hundeschule immer wieder die Möglichkeit zum Spiel mit Artgenossen, was Celina über alles liebte. Sie lernte ihre Kraft gemäßigt einzusetzen und damit die Hundepartner nicht zu überrollen.

 So konnte man Celina ausgelassen mit dem Berner-Sennenhund Josh spielen und rangeln sehen und im nächsten Moment lag sie sich kaum bewegend am Boden, um die beiden Langhaardackel-Welpen, die auf ihr rum sprangen nicht zu verletzen.

 Auch außerhalb des Hundeplatzes hatten Maren und Celina viele Freunde. Beinahe täglich gingen sie mit einem Podenco spazieren und trafen meist noch andere Hunde. Celina lernte vom Chihuahua bis zur Dogge alle Hunderassen kennen und stellte sich sozial und Instinktsicher auf diese ein. Jeder Mensch, ob klein oder groß und jeder Hund, ob klein oder groß, war begeistert, Celina unterwegs zu treffen.

 Diese offene Freude machte aus der wachsenden schwarzen Hündin eine sehr freundliche Hündin, deren Rute sich ständig vor Freude und Lebenslust wie ein Propeller im Kreis drehte.  

Niemand hier hatte Angst vor Celina oder vor der Rasse Stafford-Shire.

Maren bereitete ihre Hündin Celina auf die Begleithunde-Prüfung vor. Auch zeigte diese bereits viel Freude an leichten Agility-Übungen und legte viel Talent in erste Versuche zur Ausbildung als Rettungshund. In ihren ersten  1 ½ Jahren lernte die Hündin ausschließlich die Sonnenseiten des Lebens kennen. Celina machte Freude – und machte sich Freunde! - wo immer sie mit ihrem Teenager-Frauchen auftauchte.

Gleichzeitig begann sich aber ab Celinas 18. Lebensmonat doch ein kleiner Schleier auf die Leichtigkeit des Seins der Hündin zu legen.

Maren schien irgendwie enttäuscht, das Celina auf jeden anderen Menschen ebenso hörte wie auf sie und sogar zu ihrer Mutter noch eine tiefere Bindung zu haben schien. Außerdem war sie das erste Mal so richtig schwer verliebt und teilte ihre Freizeit nun lieber mit dem Jungen als mit Celina. Horst und Maria Maurer stritten laut, sobald Horst von der Arbeit heimkam.

Schon lange würdigte er der Hündin keinen Blick mehr und Celina war sehr verunsichert dem Herrn des Hauses gegenüber. Mit ihm verband sie kaum schöne Momente, aber immer wenn er kam, schien sich die Stimmung zu verschlechtern und niemand kümmerte sich um die manchmal dadurch verunsicherte, traurig in der Ecke sitzende Celina.  

Einmal schien die Stimmung des Ehepaar Maurers nicht ganz so schlecht und sie nahmen sich zärtlich in die Arme.

Celina war außer sich vor Glück, erinnerte sie diese Szene doch stark an ihre ersten so sorglosen und glücklichen Monate bei dieser Familie, und sie sprang tollkühn und bellend an Horst Maurer hoch. Dieser trat der Stafford-Shire Hündin in den Bauch und schnauzte  „Hau ab, blöde Töle

 Und der nächste Menschen-Streit war der Schlimmste, den die Hündin Celina je erlebt hatte. Maria Maurer schrie in Tonlagen, die die Hündin bis dahin nicht kannte und die ihr Angst machten. Horst Maurer warf brüllend ein Glas durch die Gegend und haute immer wieder drohend mit der Faust auf den Tisch. Celina saß zitternd in ihrem Körbchen.

Und da saß sie von nun ab immer, wenn Horst Maurer nach Hause kam. Knapp 1 ½ jährig, 58cm hoch und 34kg wunderschön geschmeidig bemuskelt, verlor die Hündin etwas von ihrer unvoreingenommenen Fröhlichkeit und war eigentlich viel zu ruhig für so einen jungen Hund.  Doch die Menschen waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, das die junge Hündin völlig verwirrt war.

 Maren flüchtete viel zu anderen Jugendlichen, niemand aus ihrer Familie nahm wahr, das sie die erste Enttäuschung mit der Liebe verarbeiten musste. Sie hatte inzwischen ihren Realschul-Abschluss mit Bravour in der Hand und wusste noch immer gar nicht so recht, was sie werden sollte. Als sich dann die Gelegenheit ergab, auf einem Reiterhof ein Praktikum zu machen, sagte sie spontan zu. Maren ritt seit ihrem 6. Lebensjahr und verbrachte seitdem auch alle Sommerferien und oft auch noch die Herbstferien dort.

 Der Reiterhof lag weit entfernt und Maren sollte dort für ein Jahr hin, hätte danach auch die Möglichkeit dort eine Lehre als Pferdewirtin zu machen.

 Es war die Nacht vom 1. auf 2. Dezember 1997 als Maren weinend neben Celina lag und ihrer Hündin versprach, sie ganz oft zu besuchen.

Celina spürte die Traurigkeit ihres kleinen Frauchens, aber auch die unendlich große Zärtlichkeit in der Stimme und hörte aufmerksam zu. Celina liebte diese Zwiegespräche zwischen Hund und Mensch. Auch wenn sie die Fülle der menschlichen Wörter kaum verstand, genoss sie einfach die sanft, vertraute Zweisamkeit zwischen sich und ihren Menschen.

Sie hatte ihren hübschen schwarzen Kopf zwischen ihre Vorderpfoten gelegt, die Knickohren aufmerksam aufgestellt und mit ihren braunen Kulleraugen beobachtete sie sorgfältig die Miene des traurigen Menschen vor sich.

Wenn Maren von den Pferden sprach, wurde ihre Stimme wieder ein klein wenig hoffnungsvoller und Celina wedelte zaghaft mit der  schwarzen Rute. In dieser Nacht nahm Maren die schwarze Schönheit mit in ihr Bett und schnell war das seidig, schwarz, glänzende Fell der Hündin von Tränen durchnässt.

Am nächsten Morgen fuhr Maria die Tochter weg.

Maren verschwand aus dem Leben der jungen Hündin.

Horst blieb zuhause, trank sehr viel Alkohol und schimpfte die ganze Zeit vor sich hin.

Und Celina bekam eine dunkle Ahnung von Einsamkeit und Traurigkeit und saß ängstlich zitternd in ihrem Körbchen. Das Zittern ließ erst nach, als Maria am nächsten Tag heimkam. Doch auch Maria umgab eine Traurigkeit, eine Schwere, die der Hund nicht begreifen konnte. In den folgenden Wochen redete sie kaum mit Celina, strich ihr nur manchmal sehr traurig über den Kopf. Die Hausarbeit, die immer beiden soviel Freude gemacht hatte, machte Maria Maurer nur noch seufzend. Nur der wilde Momo, der Sohn der Nachbarin, spielte und tobte weiterhin ausgelassen mit der Hündin, wann immer sich die Gelegenheit dazu erbot und Celina sehnte täglich die Minuten herbei, an denen der kleine Mensch vom Kindergarten kam und gemeinsam buddelten sie Löcher, versteckten sich hinter Büsche und bestanden viele wilde Abenteuer. Die Begeisterung des kleinen Kindes weckte auch in Celina wieder und wieder die Begeisterung für Menschenkinder. Dabei war Celina immer vorsichtig und einfach nur an der Seite des kleinen Bengels. Niemals war sie so wild wie Momo selbst und die Erwachsenen konnten sich 100% auf Celina verlassen.

Manchmal kamen fremde Menschen und schauten sich das Haus an.

Wenn diese dann weg waren, weinte Maria. Horst kam irgendwann gar nicht mehr nach Hause. Horst war aus Celinas Leben verschwunden. Wie ja kurz zuvor bereits Maren. Und ganz am Anfang ihres Lebens die Familie Jacobi.

 Celina verstand nicht, was passierte. Wollte jedoch ihrem Frauchen Maria nicht noch mehr Kummer bereiten und wartete so einfach immer nur artig auf ein liebes Wort, auf einen kleinen Spaziergang, auf eine kleine Streicheleinheit.

Manchmal unternahm ja Maria auch noch kleine Kuschelrunden mit Celina und die Hündin zwang sich weiter dazu artig abzuwarten und jedes bisschen Liebe einfach nur dankbar anzunehmen.

Und Maria?

 War einfach froh, um die selbstlose Treue der Hündin und nahm diese selbstverständlich an.

Celina war der Haltepunkt in ihrem Leben, um nicht völlig zu verzweifeln. Und auch der Kontakt zur Gesellschaft! Der Draht zur Welt außerhalb ihres eigenen Kummers.

 

3. Kapitel, Lebens-Station 3,

Januar 1998 – Mai 1998

Celina und Maria in der Stadt

Die Schatten werden länger

 

Maurers trennten sich bald endgültig. Das Haus wurde verkauft und Maria Maurer zog mit dem Hund in die  entfernte Großstadt in eine 2 Zimmer Wohnung. Nachdem Maria Maurer schon vorher bei ein paar Vermietern gemerkt hatte, das ein Hund zwar kein Problem sei, ein Stafford-Shire aber eben doch, hatte sie bei der Besichtigung dieser Wohnung angegeben einen Labrador-Mix zu besitzen, was ja auch noch nicht mal wirklich gelogen war.

Nur hatte Celina wirklich wenig Äußerlichkeiten von ihrem Hundevater geerbt, sie sah halt aus wie eine Staff-Hündin und es begannen erste Stimmen lauter zu werden, das diese Hunde eventuell gefährlich sein könnten.

Tierschützer machten bereits seit mehreren Jahren darauf aufmerksam, das diese Hunderassen für höchst merkwürdige Zwecke missbraucht werden. Doch das wollte niemand hören!

Maria drückten diese zusätzlichen Probleme schwer auf der Seele. Wenn sie aber in Celinas geduldigen und treuen Augen schaute, versprach sie ihr in die Pfote, sie niemals im Stich zu lassen. So wie Celina immer für Maria da gewesen war, so wollte Maria immer für Celina da sein. Ihr kleiner schwarzer Engel, der sie im Alltag aufrecht hielt und wirklich immer nur lieb, brav und einfach da war.

Am Tag ihres Einzugs kam auch der Vermieter vorbei und regte sich sehr über Celina auf. Maria bot all ihre innere Stärke auf …Schließlich erlaubte er den Einzug doch, aber drohte bei den kleinsten Beschwerden von Nachbarn Konsequenzen an.

Celina war wieder einmal sehr verwirrt, von der nicht greifbaren schlechten Stimmung, die Maria Maurer zu umgeben schien, sobald ein männliches Wesen aufkreuzte und zog sich still in ihr Körbchen zurück, das bereits in der engen Wohnung stand. Die Hündin hatte in ihrem jungen Leben gelernt, das stilles Abwarten am schnellsten zur ersehnten Harmonie zurückführte. Und als der Mann weg war, schien ihr Menschen-Frauchen sehr erleichtert und Maria lud die Hündin ein, neben ihr auf dem Sofa Platz zu nehmen und Celina hörte wieder einmal aufmerksam und tröstend den Worten von Frau Maurer zu.

Maren Maurer wurde von ihren Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt und zog die Konsequenz, Abstand zu ihren Eltern zu halten und diese erstmal zu ignorieren. Es war inzwischen klar, das sie im Sommer die Ausbildung als Pferdewirtin beginnen würde. Sie hatte auch gefragt, ob sie Celina holen dürfe, doch die sonst sehr netten Reiterhof-Betreiber stellten sich da völlig stur und wollten auf keinen Fall >so einen Hund auf dem Ferien-Hof< Maren bat ihren Hund in Gedanken um Abbitte und versprach, ebenfalls via Gedanken-Gruss, Celina zu sich zu holen, sobald sie ihr Leben geregelt hätte. Sie hielt oft gedankliche Zwiegespräche mit der Hündin, doch wieder gesehen hat sie diese eine sehr lange Zeit nicht.

Maria Maurer nahm eine Stelle bei einer Gebäude -  Reinigungsfirma an und war nun von 7 Uhr bis 12.30 Uhr außer Haus und Celina alleine in der lauten und kleinen Stadt-Wohnung. Etwas, was Celina nie wirklich gelernt hatte, denn bis dato war eigentlich immer jemand da und wenn sie mal ein Stündchen alleine gewesen war, hatte sie die Möglichkeit gehabt, auch im Garten zu laufen.

Hier hatte die Stafford-Shire Hündin auf einmal nur noch die Möglichkeit wartend in ihrem Körbchen zu liegen.

Celina vermisste Sand und Gras unter ihren Pfoten, die Hündin trauerte auch um ihren kleinen wilden Menschenfreund Momo und sehnte sich nach langen Wanderungen durch den heimischen Wald, sowie nach wilden Renn- und Tobespielen mit anderen Hunden, aber auch nach den Aufgaben auf dem Hundeplatz mit Maren.

Ihr einst so spannendes und von Liebe und Stolz begleitetes Leben verlief trist und eintönig.

Wenn Maria von der Arbeit kam, ging sie mit Celina spazieren. Etwas, so ziemlich das einzige rund um den Hund, was sie noch nie besonders gerne gemacht hatte. Doch nun war sie mehrmals täglich dazu gezwungen. Und so sehr sie die schwarze Hündin Celina liebte, so sehr war sie von diesen Spaziergängen auch genervt. Und angestrengt. Denn die Spaziergänge mit der Staffordshire-Hündin wurden langsam zu einer Art Spiess-Ruten-Lauf.

Der Ruf der Rasse Stafford-Shire-Terrier wurde immer schlechter und die Menschen schienen beinahe froh, ein Feindbild zu haben. So machte sich kaum jemand die Mühe, Celinas tolles Wesen kennen zulernen, sondern man zeigte lieber angewidert mit den Finger auf den Hund. Im Stadtpark musste Celina die ganze Zeit an der Leine bleiben und die anderen Hundebesitzer duldeten keine Kontakt-Aufnahme. Das so lebensfröhliche Power-Paket Celina wusste schon bald nicht mehr wohin mit all der Energie und begann beim Spazieren gehen die ganze Zeit über aufgeregt zu bellen. Bald ging Maria nur noch 10 Minuten mit Celina und dies auch nicht öfter als 2x am Tag.

Danach brachte Maria die Pelznase heim und erledigte allerlei der vielen menschlichen Aufgaben, ging aber oft auch einfach nur genießerisch Schaufenster bummeln, um ihre Gedanken zu ordnen. Luft holen , ohne angefeindet zu werden.

Celina saß dann zuhause und weinte ihre Einsamkeit und ihre aufgestaute Energie, aber auch ihre Unsicherheit, aus sich raus. Anfangs leise winselnd im Körbchen, dann immer lauter werdend. Manchmal klopften dann die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses an die Wohnungstür und Celina bellte aufgeregt und freudig in der Hoffnung, das der Mensch da vor der Tür sie abholen wolle zu einem aufregenden Spaziergang.

Celina weinte vielleicht um ihr Leben, das sie geführt hatte: Als Hund mit Denkaufgaben, körperlicher Auslastung und vollem Familien-Anschluss. Nun war sie ein einsamer Stadt-Hund und wartete immer nur darauf, das Maria heimkam. Und wenn die dann heimkam, war auch nichts mehr wie früher.

Celina spürte, das da bald die nächste Veränderung auf sie zukommen würde.

Die Nachbarn hatten Angst vor der muskulösen Hündin und verkannten ihr lachendes Hundegesicht mit der Schnauze eines angreifenden Hundes. Das Jaulen Celinas nahmen sie zum Anlass, sich über den „unberechenbaren Hund“ zu beschweren. Marias Vermieter schickte einen Brief, mit der Auflage, den Hund sofort aus dem Wohnhaus zu entfernen.

Maria hatte keine Kraft mehr um Celina zu kämpfen. Sie wollte nun erstmal um ihr eigenes Leben kämpfen.

Den Gedanken, das die schwarze Staff-Hündin all die letzten Monate ihr einziger Lebenshalt gewesen war, verdrängte sie dabei erfolgreich. Schließlich und schlussendlich „war doch Celina nur ein Hund“! Maria Maurer verteilte Zettel in den Einkaufsläden ihrer Umgebung. Auf denen sie ein neues Zuhause für Celina suchte.

Am 18. Mai 1998, 2 Jahre nach dem Einzug des kleinen schwarzen Welpen bei den Maurers, nachdem das Glück für Celina so perfekt erschienen war, wie der 6er im Lotto wurde die treue vierbeinige Freundin per Handschlag weitergegeben an die Studentin Carmen, die versprach sich nach besten Wissen und Gewissen um Celina zu kümmern. Maria verlangte keine Schutzgebühr, machte keinen Vertrag, wusste von Carmen keinen Nachnamen, sondern verließ sich eher erleichtert und nur leicht zögernd auf das „gute Gefühl, für den Hund das Beste gemacht zu haben“

Maria Maurer verschwand einfach so von einem Tag auf den anderen aus Celinas Leben.

Celina verstand die Welt nicht mehr!

Am 18. Mai 1998, an ihrem zweiten Geburtstag, verließ die Hündin an der Seite einer fremden Frau –ihrem neuen Frauchen Carmen- das Leben, den Menschen, für den sie ihr eigenes Leben ohne zu zögern gegeben hätte.

 

4. Kapitel, Lebens-Station Nr.4,

Mai 1998 – Juni 1998

Celina und Carmen

Auch wenn die Sonne nur kurz scheint,

scheint sie in diesem Moment hell

…und wirft Schatten!

 

Carmen studierte BWL und war gerade von ihrem Freund verlassen wurden. Ihre Eltern gaben Carmen finanziell alles, was die Studentin nur wollte und so füllte Carmen ihre Einsamkeit mit Celina.  Carmen hatte ein langes Gespräch mit Frau Maurer geführt und spürte wirklich einen tiefen Willen in sich, für diese Hündin zu sorgen.

Carmen war zwar oft Gedankenlos, aber nicht Herzlos und so erkannte sie mit sicherem Gespür, die kalte Faust der Unsicherheit und Angst, die das Hundeherz umgab. Und sie versprach der Hündin, immer gut für sie zu sorgen. Celina hörte - wie immer - aufmerksam der menschlichen Stimme zu und ihre Rute wedelte freudig erregt, da diese Zweisamkeit wieder da war, die die Hündin doch so sehr liebte und brauchte.

Carmen nahm Celina überall mit hin, beim Fernsehgucken saß Celina neben ihr auf dem Sofa und manchmal teilten sie sich sogar eine Tüte Chips. Abends lag sie mit im Bett eng an Carmen gekuschelt. Am Tage fuhr Carmen mit ihrem knallrotem VW-Beatle-Cabrio und der süßen schwarzen Hündin oft in den Wald und ließ auf einsamen Wegen Celina auch frei laufen.

Celinas Lebenslust kehrte sehr schnell zurück. Nach nur wenigen Tagen reagierte sie auf das kleinste Kommando ihres neuen Menschen und dankte mit Treue und Freundlichkeit. All ihr hündisches Urvertrauen steckte sie in diese junge Menschen-Frau, so dass sie auch wieder problemlos ein paar Stunden alleine blieb, wenn Carmen an der Uni war. Danach gab’s ja Freizeit für und mit dem Hund pur. Die Abende verbrachten sie oft an einem Baggersee. Abends war es noch recht frisch und die Badegäste gingen nach Hause, das war dann die Zeit für übermütige Wasserspiele zwischen Carmen und Celina.  Und die ganze Zeit arbeitete Carmen dabei die Vergangenheit mit ihrem Exfreund auf. Celina hörte freudig gespannt zu. Diese Zweisamkeit, in der eine freundliche weibliche Stimme viele Worte zu ihr sprach, diese Zweisamkeit machte die Stafford-Shire Hündin in wenigen Tagen wieder glücklich. Denn damit verband die Hündin ihr erstes absolut sorgloses Lebensjahr, damit wurde sie vom tapsigen Welpen zum glücklichen Hunde-Teenie. Celina war wieder einmal binnen kürzester Zeit genau das, was der Mensch vom Hund erwartet: Sie war einfach der beste Freund des Menschen, dabei selbst völlig anspruchslos.

Als Carmens Exfreund Marc wieder auftauchte, schwebte Carmen auf rosaroten Wolken und während sie Marc noch etwas zappeln ließ, überschüttete sie Celina mit Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeit. Als Marc dann nach kurzer Zeit wieder einzog, flog Celina erst aus dem Bett und schließlich auch vom Sofa. Doch da Carmen so glücklich war, war es Celina auch. Celina liebte und wurde geliebt, mehr wollte die Hündin doch nie vom Leben. Als Marc dann anfing von einem kompletten Neuanfang zu sprechen, von Semesterferien in den USA…da hatte Carmen nur kurz ein schlechtes Gewissen der neuen vierbeinigen Freundin gegenüber; verschenkte die Hündin dann aber kurzerhand an eine WG in Hannover, wo auch ihre Cousine Kati wohnte. Sie brachte Celina dorthin, ließ der Mädchen - WG eine Menge Geld da und hatte damit ihrer Meinung nach „das Beste für den Hund getan!“

Nach zwei kurzen aber sehr intensiven Monaten verschwanden Marc und Carmen einfach aus Celinas Leben.

Celina blieb  wieder einmal verwirrt in einem für sie völlig neuem Leben bei völlig fremden Menschen zurück.

Kapitel, Lebens-Station Nr. 5,

Juni 1998 – Mai 2001

Celina  in der Mädchen WG

Vom Schmusehund zur Kampfbestie!

Die Sonne hat nicht immer genug Kraft zum wärmen

 

In der WG lebten 3 junge Frauen zwischen 18 und 22 Jahren und zwei Katzen. Celina hatte bisher noch keine näheren Kontakte mit Katzen gehabt, doch die drei Frauen Kati, Maja und Jule ließen soviel Geduld und Tier-Verstand mit einfließen, das die schwarze Hündin und die beiden schwarz - weiß gefleckten Katzen schon nach 4 Wochen zusammen im Körbchen lagen. Die Katzen Dascha und Minou hatten schon allerlei Besuchshunde erlebt und zeigten sich neugierig aufgeschlossen. Während die ältere Dascha vor allem genoss, angekuschelt an der Hündin zu dösen, entwickelten Minou und Celina ihre ganz eigene Art in der Wohnung miteinander zu spielen. Und selbst auf Spaziergängen sah man oft die Katze Minou als Begleiterin an der Seite der großen schwarzen wunderschönen Hündin.

Celina mit ihrem sanften und sensiblen Wesen war nach nur knapp vier Wochen der Mittelpunkt der Mädchen-WG und die vertraute große Freundin der miauenden Samtpfoten.

Die Mädchen wurden öfter skeptisch-neugierig nach der Rasse der schwarzen, kräftigen Hündin gefragt und antworteten zielsicher und lachend: „Stoff-Terrier!“ Wenn die Mädchen da so ausgelassen lachten, stand ihr „Stoff-Terrier“ glücklich die Rute schlagend daneben und ihr Vertrauen zum Partner Mensch war wieder aufgebaut und unendlich groß. Jule war mit 22 die älteste und arbeitete als Krankenschwester. Maja war ihre 18jährige Schwester, die gerade eine Ausbildung zur Floristin machte und Kati eine 20jährige Lehramt-Studentin, die auch die Katzen mit in die WG gebracht hatte.

Eigentlich war immer eine von den dreien für Celina da und wenn Freunde kamen oder Urlaub angesagt war, dann war Celina dabei.

Auch lernten sie im nahen Stadt-Park Leute kennen, die keine Angst vor Celina hatten und endlich durfte Celli, wie sie nun meistens gerufen wurde, erstmals wieder offiziell frei laufen und mit anderen Hunden spielen. Celli dankte es mit Verlässlichkeit und absoluter Unkompliziertheit. Das Leben war wieder leicht und Celina war es auch.

Das schönste Erlebnis war für Kati, als sie mit der Hündin im Wald spazieren ging –Celli hatte inzwischen schon wieder rund um die Uhr ihr berühmtes Lachen im Gesicht- als ein ca. 2jähriger Menschen-Steppke auf den Hund zulief; „Hund-ei,Hund-ei“ rufend und der Papa lachend  in die Richtung von Kati und der Stafford-Shire-Hündin rief: „Keine Angst, der will nur spielen“.

Celina liebte nach wie vor Kinder und ließ diese tollpatschigen kleinen Finger mit einer beispiellosen Geduld durch ihr Fell wandern.

Ihr ausgelassenes Temperament schraubte sie dann stets auf ein Minimum herunter und nie hätte sie ein Kind auch nur aus Versehen umgerannt. Celli war durch und durch ein Verlass-Hund. Ihre drei Frauchen hatten alle „feste Freunde“, aber auch diese hingen mit männlicher Zärtlichkeit am schwarzen Vierbeiner und Celina entwickelte auch wieder Vertrauen zu Männern.

Die Mädel-WG war in Celinas jungem Leben nicht ihr erstes Zuhause. Doch ganz dem Wesen des treuen Freund des Menschen entsprechend zeigte Celli immer wieder die Fähigkeit sich neu und unvoreingenommen zu binden. Ihre Sensibilität, ihr Willen dem Menschen zu gefallen, machten aus ihr einen ganz besonderen Hund. Und alle, die Celina, die schwarze Stafford-Shire-Hündin, kennen lernten, freundeten sich schnell mit ihr an. Einer sprach sogar von der „Wiedergeburt Lassies im schwarzen Fell“!

Und ihr Lerneifer , die schnelle Auffassungsgabe, der Mut der Hündin, alles zu tun, was die Menschen wohl erwarteten, gepaart mit eigener Kombinationsgabe -hätte selbst Kommissar Rex blass werden lassen vor Neid.

Celina hatte alle Charakterzüge eines gut-sozialisierten Staffs  in sich verankert: Kinderlieb, flexibel, lernwillig, Wasserfreudig, sozial, hohe Toleranzschwelle, verspielt…

Aber diese Wesenszüge sprach man dem Stafford-Shire-Terrier allmählich ab.

Obwohl bereits Diskussionen um so genannte Kampfhunde immer lauter wurden (in denen die Warnungen von Tierfreunden aber weiterhin komplett ignoriert worden), hatte Celina eine glückliche Zeit und wurde allmählich ein sicherer Stadthund, der auch brav mit Strassenbahn fuhr oder im Cafe artig unter dem Tisch lag.

Celina hatte gelernt, sich auf den Befehl „Mach fein“ zu lösen, so das die Mädels etwas beeinflussen konnten, wo Celina machte und es auch in dieser Beziehung keinen Anlass zum Ärger gab. Alle hatten Spass mit diesem tollen Hund!  Celina gehörte in ihrer Wohngegend einfach dazu und war wieder ein fröhlicher ungezwungener und vor allem sehr sozialer Hund, der liebte und geliebt wurde. Ein Stafford-Shire-Terrier wie es viele gab und doch ein ganz besonderer Hund, wie jeder Hund für seinen Menschen etwas ganz besonderes sein sollte.

Dann passierte dieses Unglück in Hamburg, wo der kleine Volkan von einem Hund der gleichen Rasse wie Celina tot gebissen wurde.

An diesem Unglück war der kleine Volkan  100% unschuldig…

…aber Celina doch auch!

Welche Schuld könnte die in Hannover lebende Hündin an einem Unglück in Hamburg treffen?

Wenn ein Mercedes-Fahrer bei Rot über die Ampel fuhr, würde man ja auch nie darauf kommen, allen Mercedes-Fahrern für vier Wochen den Führerschein zu entziehen. Dieses Unglück des kleinen Jungen Volkan war ohne Frage mehr als schrecklich.

Und so unnötig und grausam.

Aber ebenso ohne Frage war es nicht die Schuld der Hündin Celina!

Dann überschlugen sich die Presse-Meldungen mit Berichten über Opfer von Kampf-Hunde-Attacken.

Denn endlich konnte die Presse Schlagzeilen bringen.

Der Staffordshire-Terrier…ein beisswütiger Kampfhund!

Tatsächlich gab es in zwielichtigen Szenen viele- vor allem junge- Männer, die ihr nicht vorhandenes Selbstbewusstsein mit dieser muskulösen Hunderasse aufpolierten. Darauf machten Tierfreunde ja seit Jahren aufmerksam!  Gerade diese Hunderasse war bekannt dafür, alles zu tun, was ihr Mensch von ihnen verlangte und wenn man nur ordentlich suchte, fand man auch Menschen, die Opfer von Beiß-Attacken von scharf gemachten Hunden waren.

Und diese Opfer waren unschuldig.

…aber Celina auch!

Doch Celina war jetzt nicht mehr der Stoff-Terrier aus der Mädchen-WG.

Celina war seit diesem tragischen Unglück „eine von diesen“.

Ein Kampfhund, eine Killer-Maschine, eine Bestie, unberechenbar…

Kein Lassie mehr!

Und erst Recht kein Rex mehr!

Kein treuer Freund des Menschen!

Celina war auf einmal eine Gefahr für die Menschen!

Und für andere Hunde!

Schlicht für alles und jeden!

 

Celina…über die gestern noch die Menschen gelacht hatten, weil ihre Rute stets und ständig wie ein Propeller im Kreis drehte und man befürchtete, das sie gleich abhebe in die Luft…war heute zum Kampfhund auserkoren! Nachbarn -die vor kurzem noch liebevoll mit Celina geschmust und gespielt hatten - schrieen, wenn sie Celina sahen. Drohbriefe flatterten ins Haus, Celina durfte nicht mehr frei laufen, musste einen Maulkorb tragen…

Mütter rissen ihre Kinder hoch, wenn sie Celina sichteten, die Hündin durfte nicht mehr in den Gemeinschafts-Garten des Wohnhauses der WG. Ältere Männer liefen mit der Harke in der Hand hinter Celina her und ältere Hausfrauen spuckten den Mädels und der Hündin vor der Füße.

Gestern war Celli noch ein Idol unter den Hunden, wurde gleichgesetzt mit berühmten Fernseh-Hunden wie Lassie und Kommissar Rex…Heute schon war aber Celina gefährlicher als jeder überlebende Dinosaurier.

Die Dreier-WG wurde unsicher wegen der Reaktionen der Umwelt…Celina wurde unsicher, weil sich ihr Leben wieder so schlagartig geändert hatte und all die Unbeschwertheit war auf einmal wieder weg. Ihre Menschen flitzten meist nur noch im Dunkeln schnell mit Celli um die Ecke.

Celli durfte weder in die Straßenbahn noch ins Cafe und die ganze Lebens-Situation war sehr angespannt.

Aber nicht einmal in all dieser Unsicherheit und Zeit der Veränderungen und Anfeindungen hat Celina geknurrt oder gar böse geguckt.

In den wenigen Stunden, die Celina alleine war, begann sie wieder ihre Unsicherheit rauszuheulen.

Sie war nun nicht mehr das süße schwarze Staff-Mädchen, der schwarze Engel der 3er WG, sie war nun ein Kampfhund!

Der Vermieter duldete „das“ nicht mehr und alle Gesetze und Nachbarn waren auf seiner Seite.

Jule, die bisher eh am wenigsten Kontakt zu Celina hatte, war inzwischen schwanger und zog mit ihrem Freund zusammen. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte sie schon, ihre Freundinnen und Celina so im Stich zu lassen, doch da die Schwangerschaft nicht ganz komplikationslos verlief, war sie auch noch mit ganz anderen eigenen  Sorgen beschäftigt. Maja hatte nun ihre Ausbildung beendet, nebenbei hatte sie in der Abendschule das Abi nachgeholt und begann nun zu studieren. Sinnigerweise am anderen Ende von Deutschland, in Bayern. In diesem Bundesland, noch dazu im Studenten-Heim, brauchte sie nicht Mal darüber nachzudenken, sich weiter um Celli zu kümmern. Beinahe war sie ein bisschen erleichtert darüber, die Verantwortung für den Hund somit abschieben zu können.

Blieb Kati, die alleine die Miete für die WG Wohnung nicht mehr aufbringen konnte, keine neue bezahlbare Wohnung fand mit 2 Katzen und einem so genannten Kampfhund und unter großem Druck der Öffentlichkeit stand. Ihr wurde sogar klargemacht, das sie ihre beruflich angestrebte Laufbahn als Grundschul-Lehrerin an den Nagel hängen kann, wenn sie sich weiter in der „Kampfhund-Szene“ rumtreiben würde! Ihre ganze Zukunft hing davon ab. Ihre ganze Zukunft hing davon ab, sich für oder gegen eine Zukunft  dieser Hündin zu entscheiden. Kati war nervlich am Ende und hielt dem Druck der Öffentlichkeit nicht länger stand. In ihrer Not gab Kati eine Anzeige im Tiermarkt-Anzeiger auf und gab Celina dem einzigen Bewerber mit, der sich darauf meldete. Jonas erschien Kati mit seinen knapp 50 Jahren als sehr Vertrauens erweckend. Kati drückte die Katzen Dascha und Minou weinend an sich, als Celina mit Jonas um die Ecke verschwand. Sie spürte das ungute Gefühl in sich. Sie spürte das Verlangen, Celina an sich zu reißen und zu beschützen. Doch ihr alleine fehlte der Mut.

Der Mut, im Jahre 2001 einen Hund zu lieben, der ein schwarzer Stafford-Shire-Terrier war.

So verschwanden innerhalb kürzester Zeit noch mal sechs Menschen und zwei Katzen-Kumpel aus dem Leben der schwarzen Staff-Hündin Celina, die doch bisher einfach immer nur artig gewesen war.

Und auch diese Menschen gaben, wie all die Menschen zuvor, nicht nur Celina ab, sondern auch die Verantwortung für das Leben der Hündin, die doch zuvor eine kleine Zeit lang das eigene Leben so aufgewertet hatte.

6. Kapitel, Lebens-Station Nr.6

Mai 2001 (3 Wochen)

Celina wird als Kampfhund verheizt

In zu betonierten Hinterhöfen scheint fast nie die Sonne

 

Jonas befand sich nun schon länger auf der schiefen Bahn, Drogen und Alkohol haben ihn seinen Job gekostet, seine Frau ist mit einem jüngeren Mann durchgebrannt, seine beiden Töchter haben sich angewidert von ihren Eltern abgewandt. Jonas hatte einen immensen Schulden-Berg und sah seine Chance mit Celina gekommen. Durch die ganze Panik- Mache in den Boulevard-Zeitungen hatte der ehemaliger Journalist recherchiert und wirklich Kontakt zur Kampfhund-Szene bekommen und er wusste, um welche Gelder es da ging.

Jonas wusste auch, das man die eigentlichen wirklichen Kampfhunde nie in der Öffentlichkeit sah und er wusste, das diese Kampfhunde, die für Hundekämpfe eingesetzt werden, dem Menschen nie was tun würden. Sie mussten dem Menschen gegenüber den „Will-to-please“ aufweisen und das war eben auch ein Charakterzug der Staffs & Co, der es überhaupt erst möglich machte, diese Rasse so zu missbrauchen.

Also nahm er die inzwischen 5 jährige und sehr kräftig gebaute und gut bemuskelte  Celina mit .

Es folgte eine „Ausbildung im Hinterhof“.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und wahrscheinlich fern der Phantasie der meisten normalen Hundehalter:

Celina bekam Schläge, mit Eisenstangen und noch glühenden Holzscheiten, wurde getreten und schwer misshandelt, immer dann, wenn ein anderer Hund in die Nähe kam, der wütend bellte…  Es wurde mit Elektro-Schocks gearbeitet, die Hündin musste hungern und dursten. Celina wusste kaum noch wohin vor Angst -und genau das war es, was die Männer dort wollten:

Das der Hund vor Angst irre wird!

Nach 3 Wochen wurde ein bereits gedrillter Hund auf Celina losgelassen.

Dieser andere Hund hatte nie was anderes gelernt, als andere Hunde zu zerstören und so ging er auch auf Celli los. Celina wehrte sich nicht, sondern kauerte sich ängstlich in die Ecke und ergab sich ihren Schicksal.

Sie verstand nicht, was passierte…

…aber wenn die Menschen sie lieber tot sehen würden, würde sie sich eben anstandslos tot- beißen lassen.

Der Kampf wurde von den Menschen beendet.

Die fremden Menschen gingen lachend, spuckend und gröhlend mit ihrem Sieger-Hund davon und ließen Jonas verachtend stehen. Celina war sehr schwer verletzt, und Jonas registrierte, das er aus diesem Hund keinen Sieger in der dunklen Szene machen konnte.

Dafür war Celina einfach zu lieb. Trotz oder gerade wegen ihrer Rasse-Zugehörigkeit und ihres anfänglich so wunderbaren Lebensstarts.

Wütend drückte Jonas eine Kippe auf dem zerschundenen Körper von Celli aus und steckte diese dann in einen Jute-Sack, lud den ins Auto und schmiss den Sack, deren Inhalt die verletzte Hündin war, bei nächster Gelegenheit über eine Brücke.

Keiner hat ihn dabei gesehen.

Und wenn doch: Keiner würde sich mit ihm anlegen.

Menschen wie Jonas sind nicht unschuldig. Aber Menschen wie Jonas sind stark, manchmal einflussreich, auf jeden Fall aber sehr Gewalt-tätig.

Da bleibt es für die anderen Menschen und die Boulevard-Presse halt einfacher auf Hunde wie Celli zu schimpfen, als auch nur 1x auf Menschen wie Jonas zu schimpfen.

Und diese Hunderasse dann zu verbieten war weitaus einfacher, als sich Gedanken darüber zu machen, an welcher Stelle unsere gesamte Gesellschaft so versagt haben könnte, das Menschen wie Jonas so einflussreich sein konnten.

Zumindest einflussreich genug, dass lieber alle beschämt wegsahen und NICHTS SAHEN!

Jonas dachte an die verwetteten Gelder, die ihm verloren gegangen waren.

Und er freute sich an dem Gedanken, das der Hund wahrscheinlich noch nicht ganz tot war und nun jämmerlich im Jute-Sack ersoff.

7. Kapitel, Lebens-Station Nr. 7

Mai 2001 ( 2 Tage)

 

Celina unter der Brücke

Ein selbst - gewähltes Schatten-Plätzchen

 

Celina kam irgendwie aus dem verschnürtem Jute-Sack frei, schwamm mit letzter Kraft an Land, schleppte sich humpelnd weiter und leckte sich im Schutz von hoch gewachsenen Büschen unter einer anderen Brücke ihre  Wunden.

2 Tage verbrachte sie dort.

Dem Tod sehr nah.

Doch sie focht den einzigen Kampf, den sie jemals gekämpft hatte:

Sie kämpfte ums Überleben.

Leise, still, alleine.

Ein Kampf

- den sie nicht wissend -

inzwischen mit vielen anderen Stafford-Shire-Terriern teilte und nicht zum letzten Mal kämpfen musste.

 

8. Kapitel, Lebens-Station Nr. 8,

Mai 2001 (1 Tag)

 

Celina und  Marius

Wenn ein Blick  wärmt wie ein starker Sonnenstrahl

 

 

Marius, 12 Jahre, spielte manchmal an dieser Stelle des Flusses unter der Brücke. Der blonde Junge mit den Sommersprossen stand gerade an der verwirrenden Schwelle vom Kind zum Teenie und er genoss oft die Einsamkeit und Stille am Fluss. Er ließ dort gerne seine Papierboote zu Wasser, aas alleine sein mitgebrachtes Butterbrot und verzettelte sich in wilden Tagträumen, in denen er stets der Held war. Marius hörte ein leises Wimmern, ein Stöhnen und entdeckte die kraftlose Hündin. Er hatte viel mitbekommen von dem, was mit so genannten Kampfhunden passierte.…er hat auch seine Mutter weinen sehen.

Seine Mutter weinte um den kleinen Volkan…und sie weinte um die vielen unschuldigen Staffs. Um die Opfer auf beiden Seiten. Die unschuldigen Leidtragenden! Um die Hunde, die es nun auf einmal nicht mehr geben durfte.

Hunde wie Celina.

Seine Mutter hatte oft gefragt : „Wo führt das nur hin, mein Kind?

Marius beobachtete die schwarze fremde Hündin---er erkannte in ihr die Rasse, vor der viele erwachsenen Menschen Angst hatten.

Marius  hatte auch etwas Angst, vor allem aber hatte er ein Gespür für Hunde und zögernd ging er Schritt für Schritt näher an Celina, die ihn ebenso aufmerksam und auch etwas ängstlich beobachtete.

Marius redete mit der Hündin und Celina begann mit der Rute zu wedeln. Ein Kind, eine sanfte Stimme…da wusste die kluge Hündin, das sie keine Angst zu haben brauchte.

Und ihr kluges Gesicht entspannte sich.

Und der kluge Marius sah die Hundeschnauze tapfer lächeln.

Er wusste, er spürte in sich, das dieser Hund ihm niemals was tun würde.

Und –noch ganz Kind- verließ er sich auf dieses Gespür der reinen Wahrheit und näherte sich langsam dem wimmernden Vierbeiner, der sich inzwischen ganz klein machte und mit allem nur möglichen Körpersignalen anzeigte, das von ihm keine Gefahr ausginge.

Marius verstand.

Er lächelte der Hündin zu. Celina legte sich von Schmerzen gezeichnet seitlich -und die lange Rute klopfte vorsichtig und freundlich auf den staubigen Boden.

Der Junge zog sein Brot aus dem mitgebrachten Rucksack und gab es Celina zu fressen.

Vorsichtig nahm sie Happen für Happen aus den Fingern des kleinen Menschen.

Sie blickte ihn an. Marius blickte die Hündin an. Und er hörte zu, wie sie mit stillem Augen-Aufschlag ihre ganze Geschichte erzählte.

Marius streichelte sanft über das schwarze Fell der Hündin und er sprach mit ihr und erkannte die Misshandlungen an Celina, soweit diese ein Kind erkennen kann.

Celina wedelte als Zeichen gegenseitigen Verstehens und Vertrauens weiter mit der Rute.

Das Wedeln schmerzte ihren ganzen Körper und doch konnte sie nicht anders, als die Freundlichkeit des Jungen zu erwidern.

Marius streichelte noch mal sanft die verletzte Hündin und versprach, Hilfe zu holen.

In seinen Tagträumen hatte Marius oft mit wilden Bestien gekämpft und ging als Sieger hervor.

Hier unter der Brücke am Fluss, gemeinsam mit der verletzten fremden Hündin, begriff der 12jährige Junge auf einmal sehr viel von der Welt und dabei spürte er unendlichen Zorn in sich. Und er versprach der Hündin, das dies nun seine Chance war, wirklich ein Held zu werden. Und tief in sich, spürte er, das er bereits ein Held war.

Ein Sieger.

Weil er nicht verlernt hatte, mit Tieren zu sprechen.

Sie auch stumm zu hören.

Marius redete und redete auf Celina ein, das er wüsste, das sie kein böser Kampfhund sei. Sondern eben einfach nur ein Hund…der beste Freund des Menschen…und er erzählte ihr, das er vielleicht noch klein sei, aber in dem Augenblick, als er ihr in die Augen geschaut hatte, sehr viel begriffen habe von der Welt und das er nun versuchen wolle, erwachsen zu sein, um der verletzten Hündin zu helfen. Celina hörte aufmerksam zu und wedelte weiter mit aller Kraft ,die sie aufbringen konnte, verstehend mit ihrer pechschwarzen Rute.

In nur wenigen Minuten waren Marius und Celina beste Freunde

Marius spürte, wie sehr er diese Hündin brauchte.

Und die Hündin spürte, wie sehr sie dieses Kind brauchte.

Liebe!

Entstanden in einem zärtlichen Augenblick des Erkennens und Verstehens. Ohne wenn und aber. Einfach Liebe, sofort.

Wie sie eben nur Kinder geben und empfangen können.

Und Tiere!

Marius eilte davon.

Seine Mutter war noch zur Arbeit, er wollte aber nicht mehr warten und fuhr  –ahnend, das es ein Fehler sein könnte- zu seinem Onkel. Der Junge erzählte die verworrene Geschichte vom verletzten Kampfhund unter der Brücke, der kein Kampfhund sei und schließlich folgte ihm der erwachsene Mann, der gerade begonnen hatte, seinen wohl - verdienten Feierabend mit einem Bier zu begrüßen. So kam Marius mit seinem sehr skeptischen Onkel zurück zur Hündin Celina.

Celina spürte sofort das Misstrauen und die Angst des erwachsenen Mannes… Celina roch das Bier und extrem verunsichert stand sie geschwächt auf. Bereit, sich sofort zurück zu ziehen.

Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, aber dieser Mann, dieser Geruch, machten ihr Angst.

Marius` Onkel hatte ebenfalls Angst und nahm einen großen Ast zur Verstärkung und schlug damit vor sich her in Richtung der verletzten Hündin, um diese zu beeindrucken und zu verjagen. Dabei schrie er wilde Beschimpfungen zu dem Hund und hielt mit einer Hand seinen Neffen zurück, der sich schluchzend zu befreien versuchte und doch nur der Hündin helfen wollte.

Celina rannte in Panik davon. Noch viele Kilometer hörte sie das verzweifelte Schreien voller verständnisvoller Liebe des  Jungen und in all ihrer Panik wurde ihr doch das Herz sehr schwer das es ihnen nicht vergönnt war, gemeinsam nach einen Weg zu suchen.

Celina verschwand aus dem Leben von Marius, und Marius verschwand aus dem Leben von Celina.

Doch auch wenn dieses gemeinsame Leben nicht Mal einen halben Tag andauerte, so wussten beide, das sie an diesem Tag unendlich viel gelernt hatten.

Mehr als manche Menschen in ihrem ganzen Leben.

Sehen, verstehen, zuhören.

Vorurteilsfrei aufeinander zugehen.

Signale des anderen wahrnehmen.

Respekt vor dem anderen Lebewesen.

Vertrauen.

Instinkt.

Dann begleiteten die panische Hündin bald schon entsetzte Blicke und Angst-Schreie von Menschen, denen sie begegnete. Andere Hunde bellten wütend , Sirenen-Geheul und immer mehr Panik begleiteten ihren wahnsinnigen Run……bis sie schließlich erschöpft zusammen brach.

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Der Polizei-Beamte brachte die Hündin ins Tierheim der nächsten Stadt. Dort wurde Celina versorgt und dann in ein Auffang-Lager für solche Hunde-Rassen gebracht. In einer großen Stadt, mit einem großen Hafen…

 

9. Kapitel, Lebens-Station Nr.9

Mai 2001-Juni 2003

Celina in Haft

Ohne Sonne erlischt jegliches Leben

 

Welcher Engel Celina bewachte, das sie dort in diesen Hallen nicht sofort eingeschläfert wurde und ob das wirklich ein Engel war, das mag man als Mensch - der Hunde liebt- nicht beurteilen.

In diesem Auffang-Lager für Kampfhunde saß Celina 2 Jahre in einem 1,5 m² kleinem Draht-Käfig, der nicht mal mehr der Bezeichnung Zwinger stand hielt. Ohne Sonnenlicht, ohne Beschäftigung, ohne Zuwendung…

…aber immer mit viel Lärm und auch Gestank von den anderen Hunden. Celina war gezwungen, in ihren Zwinger zu machen, alle paar Tage wurde dieser Mal gesäubert. Bei diesen Säuberungen wurden die Käfige mit einem kalten und harten Wasserstrahl ausgespritzt. Die Hunde hatten keine Rückzugsmöglichkeit, keine Chance diesem auszuweichen. Manche Hunde sprangen in wilder Panik hin und her, wenn Menschen mit dem Schlauch in der Hand sich den „Zwingern“ näherten. Anfangs sprang auch Celina auf, wenn diese Männer kamen. Voller Hoffnung sah sie ihnen entgegen. Doch schon bald merkte sie, das nur kalter Hass zurückkam und so blieb sie einfach still liegen.

Ruhig abwartend. Der anfangs so hoffnungsvolle Blick immer stumpfer werdend. Und doch täglich ums Überleben bettelnd!

Manche Hunde schlossen ihre Augen für immer und erst viele Stunden später, manchmal auch erst Tage später, bekam das jemand mit.

In diesen Hallen herrschten das Wimmern, der Geruch und die Angst von hunderten Hunden.

Der Angst vor dem sinnlosen Tod.

Von „solchen Hunden“!

Solchen Hunden!

Hunden wie Celli,

einst sehr geliebt und geachtet. Nun missachtet.

Einst gebraucht. Nun missbraucht.

 

Celina saß die langen zwei Jahre dort zusammen gekauert in einer Ecke auf nacktem, kaltem Beton.

So eng in sich zusammen gerollt, das die anderen vor Verzweiflung und Angst schier wahnsinnigen Hunde sie auch nicht durch das angrenzende Gitter ihres Käfigs packen konnten. Ab und an kamen Menschen, die freundlich schauten und 2-3 Hunde mitnahmen, manchmal kamen auch Menschen, die nach Tod rochen und ebenfalls 2-3 Hunde mitnahmen. Manchmal kamen 2-3 neue Hunde, und da die jung waren, gingen dann 2-3 alte Hunde…

Wohin gingen sie nur?

Warum ? Wie viele Hunde hat man in diesen Hallen zerstört?

Wie viele Kinder haben um diese Hunde, die ihre Freunde waren, geweint?

Im Juni 2003 kamen junge Menschen aus einer niedersächsischen Tierschutz-Organisation.

In Niedersachsen hatte sich die Situation der so genannten Kampfhunde etwas entschärft und die Menschen dort begannen zu begreifen, das ein Staffordshire noch immer genau so ein toller Hund sein konnte wie noch vor dem Jahrhundertwechsel. Die Tierfreunde kamen, um fünf solcher Hunde mit aus diesen Hallen in ihr Tierheim zu nehmen. Fünf, für mehr bot ihr kleines Tierheim keinen Platz. Die Tierschützer hatten schon viel gesehen und erlebt, doch dieses Auffang-Lager trieb ihnen Tränen des ohnmächtigen Zorns, hilfloser Wut und ohnmächtiger Trauer in die Augen.

Sie blieben an Celinas Käfig stehen. Sie sahen den schwarzen Hund, der mit Narben übersät, ängstlich in der Ecke kauerte. Sie sahen in die dunklen Hundeaugen, die trotzdem dem Blick des Menschen standhielten -und sie sahen:

Hoffnung!

Und sie nahmen Celina mit in ihr Tierheim.

10.Kapitel, Lebens-Station Nr.10,

 Juni 2003 bis Oktober 2003

Celina im Tierheim

Vielleicht geht morgen die Sonne wieder auf

 

In diesem Tierheim bekam Celina einen Zwinger mit Innen- und Aussenbereich.

Zum ersten Mal seit 2 Jahren konnte Celli wieder die Nase an die Gitterstäbe drücken und den Wind spüren. Sie konnte das Gras riechen, Schmetterlinge beobachten, sehen wie die Sonne aufgeht und spüren wie das staubige, stumpfe Fell vom Regen weich gespült wird. Wie die prasselnden Regentropfen ihre Narben massierten…Celina konnte erstmals wieder beim Atmen Luft holen!

Celina stand viele Tage im Aussenbereich ihres Zwingers und schien die lebendige Welt in sich einzusaugen.

Sie nahm keinerlei Kontakt auf, weder zu Mensch noch zu Tier, weder freundlich noch böse, aber Celina stand da an ihrer Zwingertür, die Nase im Wind, die traurigen Augen weit in die Ferne gerichtet…und erfüllte ihren Körper nach und nach wieder mit Leben und Lebendigkeit.

Sie fraß und trank.

Es schien so, als hätte sie abends Angst, das am nächsten Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen würde.

Oft weinte sie wie ein Wolf die untergehende Sonne an.

Im Tierheim taufte man die schwarze Hündin auf den Namen Angel.

Ein Mitarbeiter, Steffen, stand oft an ihrem Zwinger und erzählte von seinem Tag und begann auch bald, mit Angel spazieren zu gehen. Nach ein paar Wochen nahm Celina freudig zur Kenntnis, wenn Steffen bei ihr stehen blieb und mit ihr redete oder gar das Halsband für einen gemeinsamen Spaziergang umlegte. Zwiegespräche zwischen Mensch und Hund. Celli gab den Weg zu ihrer Hundeseele frei.

Angel-Celina lebte für Steffen. Sie trauerte nicht  ihrem alten Leben hinterher, als Hund verschwendete sie keinen Gedanken an die gute alte Zeit. Sobald sie Steffen sah, spürte oder roch wurde ihre undurchdringliche Miene wieder ganz weich, die inzwischen angegraute Schnauze zog sich zu einem breiten Grinsen und die Rute drehte sich wieder so temperamentvoll im Kreis, das der Hintern mitwackelte. Das schwarze Fell bekam trotz der vielen Narben wieder einen seidigen Schimmer und Celina wurde durch die tägliche Bewegung und Zuwendung beinahe wieder der schöne vor Kraft-strotzdende Hund, der vor etwas mehr als 7 Jahren in diese Welt geboren und mit offenen Armen empfangen worden war. Und Steffen fand immer ein paar Minuten Extra-Zeit um Angel zu streicheln oder einfach nur mit ihr zu sprechen. Er holte bald ein anderes Staff-Mädchen mit in den Zwinger von der schwarzen, sanften Angel, die helle Kimba und Angel freundeten sich an. Steffen träumte von einer gemeinsamen Vermittlung der beiden so sanften Hundefreunde. Denn Kimba war jung und ungezwungen, verbotenerweise als Stafford-Shire im Jahre 2002 geboren, saß sie seitdem im Tierheim und suchte eine Lebensaufgabe.

Celina, jetzt ja Angel, hatte noch immer soviel Liebe in sich. Und die teilte sie nun auf für ihre Hundefreundin Kimba und den Menschen Steffen. Vor anderen Menschen, besonders vor anderen Männern, hatte Celina sehr große Angst.  Sie kniff die Rute ein, legte die Ohren an und kauerte sich knurrend und zitternd zusammen. Drehte der Bedrohung Mensch den Rücken zu. Sie hätte niemals einen Menschen gebissen, doch das wusste keiner. Manchmal schaute sie sehnsüchtig Kindern hinterher, die zu Besuch im Tierheim waren -und darum beschloss man, diese Blicke völlig falsch deutend, Angel keinesfalls an eine Familie mit Kindern zu vermitteln.

Kimba fand dann doch Menschen, die sie lieben wollten.

Ohne Angel.

Man machte sich im Tierheim die Entscheidung nicht leicht, doch die helle Hündin Kimba hatte diese Chance verdient und so trennte man, was man miteinander verbunden hatte.

Und gerade als Angel-Celina dem Leben wieder etwas Leichtigkeit zusprechen wollte, verschwand wieder ein vertrauter Stützpunkt einfach so aus ihrem Leben.

Kimba war weg!

Ihre Nähe, ihr Geruch…einfach weg.

Und kehrte nie zurück, so sehr die schwarze Hündin auch die Nase in den Wind hielt.

Von diesem Moment an akzeptierte Angel-Celina keinen anderen Hund mehr in ihrer Nähe. Wahrscheinlich war das ihre Art, die Traurigkeit ihres Lebens und den Verlust der Hundefreundin auszudrücken.

In der Woche darauf hatte Steffen auf dem Weg ins Tierheim einen Unfall und kam ins Krankenhaus.

Diesen Tag und auch die Tage danach, wartete Angel-Celina vergeblich auf diesen Menschen. Sie stand da, die Nase an die Zwingergitter gepresst und versuchte, die Nähe von Steffen zu erschnuppern.

Sie stand da und dachte, wenn sie nur lang genug ihre Nase in den Wind drücken würde, würde dieser auch den vertrauten Geruch von Steffen zu ihr rüberwehen.

Sie strengte die Ohren an und hoffte doch so sehr seine Stimme zu hören.

Doch sie hörte sie nie wieder.

Mit jedem Tag des Wartens mehr schien die einst so wunderschöne Hündin auch immer mehr in sich zusammen zu fallen, kleiner und dünner zu werden.

Ein schwarzer Engel ohne Flügel.

Verloren in dieser Welt.

Und doch noch in dieser Welt.

Nach einer Zeit vergeblichen Wartens resignierte die vom Leben so enttäuschte Hündin und legte sich apathisch in eine Ecke ihres Zwingers.

Bereit zum sterben,

auf den Tod wartend.

Auf was sollte sie auch sonst noch warten?

Nur noch selten drückte sie die Nase in den Wind ….

Es spielte für die schwarze Hündin keine Rolle mehr, ob die Sonne auf- oder unterging.

Man hörte sie nie wieder den Sonnen-Untergang mit ihrer Stimme begleiten.

Die örtliche Presse berichtete in einem großen Artikel von

 „Angel - dem schwarzen Engel ohne Flügel

Diesen Artikel las Pferdewirtin Maren Maurer, inzwischen 23 Jahre …

Maren wohnte weit von ihrem damaligen Zuhause und auch ihrer Lehrstelle entfernt.

Und sie wollte einfach nicht wahr haben, das so weit von ihrem ehemaligen Zuhause und so nah dran an ihrer jetzigen Heimat eine Hündin, enttäuscht vom Leben und mit Narben gekennzeichnet, vor sich hinvegetierte, die sie so enorm stark an ihre Celina erinnerte.

Celina. Der Hund, der ihr viele Monate lang so eine wichtige Lebensstütze gewesen war, den sie dann aber doch aus ihren Gedanken verdrängt hatte.

Und doch…

....dieses Bild in der Zeitung,

diese Augen…

Maren haderte noch eine Woche, dann fuhr sie ins Tierheim.

11. Kapitel, letzte Lebens-Station

1. November 2003

Ein letztes Mal Celina und Maren

Wenn die Sonne für immer untergeht

 

Maren stand am Zwinger der geschundenen Angel und wusste doch sofort, das dort ihre Celina saß…abgemagert, entkräftet, enttäuscht von der Welt und trotzdem nie böse.

Maren wusste, das sich dort ein Hund aufgegeben hatte, der zwar ein Stafford-Shire-Terrier war, aber nie ein Kampfhund.

Maren wusste nicht, welche Schicksalswege Celina gegangen war, aber sie sah der Hündin an, das es nicht einfach war. Das es sogar mehr als schrecklich und hart gewesen war. Maren liefen die Tränen in Sturzbächen übers Gesicht…

Sie hasste sich für ihre jugendliche Unbeschwertheit, mit der sie damals das Schicksal ihrer Traum-Hündin einfach aus den Augen verloren hatte. Sie hasste sich dafür, nie den Mund aufgemacht zu haben, als andere Besitzer von Stafford-Shire-Terriern für ihre Hunde kämpften und Hilfe erhofften. Sie hasste sich dafür, noch diese Woche gezögert zu haben, bis sie endlich den Mut aufgebracht hatte, ins Tierheim zu fahren.

Das alles erzählte Maren mit leiser Stimme der Hündin.

Ihrer Hündin.

Celina, der schwarze Engel ohne Flügel, der stets alles im Leben richtig gemacht hatte .

Und Celina schaute auf und wedelte als Zeichen des Erkennens und Verstehens leise und kaum sichtbar mit der Rutenspitze.

Die Hündin Celina spürte einen kleinen Funken Glück in sich, aber viel größer war die Angst.

Und mit dieser kalten Faust der Angst, die ihr Herz endgültig um griff, bevor der warme Funken der Liebe dort ankommen konnte, schloss die Hündin Celina ihre Augen.

Für immer.

Celina spürte die Streicheleinheiten, die Tränen und die verzweifelte Liebe von Maren nicht mehr.

Celina wusste nicht, das sich der kranke Steffen um sie sorgte.

Celina ahnte nicht, wie viele Menschen in diesem Moment stumm um sie weinten.

Celina starb allein.

Celina war ein schwarzer Stafford-Shire-Terrier.

Hinterm Regenbogen aber wird sie mit allen Menschen und Hunden spielen, die genauso unschuldig Opfer worden wie sie, die schwarze Stafford-Shire-Hündin Celina.

Und sie versprach Gott in ihren letzten Atemzügen, allen Kindern dieser Welt ein guter Schutzengel zu sein.

Denn die Kinder von heute sind die Erwachsenen von Morgen, die wieder bereit sein werden, den Tieren und der Natur zuzuhören.

 

 

 

Ein Engel ohne Flügel.

 

Ein Hund.

 

Der beste Freund des Menschen.

©Tanja Leuschner

 

Diese Geschichte hat Tanja geschrieben und mir erlaubt sie auf diese Homepage zu setzen. Liebe Tanja, ich danke dir dafür.

Ich wünsche mir sehr, das diese Geschichte  Menschen " erreicht ".

Das diese Geschichte zum nachdenken anregt ! Und wenn es nur ein einziger Mensch ist, ist das vielleicht für "nur" ein einziges Tier ein Glück.

Danke.

 
Freunde!!!!!

sind die Familie, die wir uns

selbst

aussuchen.

Im  Laufe   der Zeit , meiner über 4 Jahrzehnte die  ich auf dem Buckel  habe,  hat  sich  dieser Spruch  sehr  bewahrheitet! Allerdings  auch die andere Seite, das  niemand   einen  so  verletzen kann, wie  derjenige den  man liebt. Sei  es  jetzt  nun Familie oder  ein  so genannter Freund. Aber  wie  es  auch  sein mag,   man wächst aus  seinen Erfahrungen und  auch darüber  hinaus. :-)

 

Die Welt  besteht aus Optimisten und Pessimisten. Letztendlich liegen beide falsch.  ABER !

Der Optimist lebt glücklicher :-)    (Kofi Annan)
 

 
 
Zum 14.12.2005  wurde mir  von meiner Freundin  nachfolgendes  mit einem " Engel " geschenkt.

Ich sage ein " Dankeschön! "

 

ZWEI sind besser
als einer allein.
Denn wenn sie hinfallen,
richtet einer den anderen auf.
                                                                                                                                                                                            ( Kohelet 4,9-10)
 
Der Engel der Freundschaft begleitet dich!
 
Er lasse dich die Menschen erkennen,
auf die du zählen kannst,
die dich nicht ändern wollen,
die dich annehmen, so wie du bist.
 
Er mache dich offen
für wirkliche Begegnungen,
für ernste Gespräche, für Lob und Kritik.
 
Er zeige dir Menschen mit offenen Ohren,
mit dem Mut zur Wahrheit,
mit der Gabe zu schweigen
über alles, was du ihnen anvertraust.
 
Auch dir hat Gott verliehen,
anderen ein Freund zu sein.
Die Kosten an Zeit, an Kraft,
an Durchhaltevermögen
verwandeln sich in einen Schatz,
wenn du der Freundschaft
nur Raum gibst,  um zu wachsen.
 

'Mach Dir keine Gedanken um Menschen aus Deiner Vergangenheit,
denn es hat seine Gründe, dass sie es nicht in Deine Zukunft geschafft haben...'

Danke  Martina !! :-)

Liebeslied

Als ich Kind war, fand ich meinen Opa so toll,
der kannte Geschichten, die warn wundervoll.
Mal spannend, mal witzig und manchmal verrückt,
und wir saßen aufm Sofa und ham Popcorn verdrückt.

Er hat für mich Drachen und Stelzen gebaut
und abends mit mir in den Himmel geschaut.

Mach´s gut, komm bald wieder - und gib auf dich Acht,
sagte er dann zum Abschied und ich rief "Wird gemacht!"

Dann wurde ich älter, sah den Jungs hinterher.
Ich fand mich potthässlich und das Leben echt schwer!
Ich hatte zig Fragen nach Gott und der Welt,
und die hab ich dann alle dem Opa gestellt.

Er fand für mich immer das richtige Wort,
und mit Popcorn in der Tasche rannte ich wieder fort.

Mach´s gut, komm bald wieder - und gib auf dich Acht,
sagte er dann zum Abschied und ich rief "Wird gemacht!"

Und irgendwann war´s mit der Kindheit dann aus.
Ich zog sehr weit fort, kam nur selten nach Haus.
Zu Opa zu gehn, fand ich oft keine Zeit,
und über "früher" zu reden war ich nicht bereit.

Die Tüte mit Popcorn, die steckte ich ein.
Ich wollte auf keinen Fall unhöflich sein.

Mach´s gut, komm bald wieder - und gib auf dich Acht,
das rief er wie immer - ich hab albern gelacht.

Und die Jahre vergingen - ich war nicht mehr jung.
Ganz plötzlich kam dann die Erinnerung.
Die Kindheit mit Opa ging mir durch den Sinn,
und ich dachte spontan "Da fährst du bald hin".

Ich wollte ihm sagen "Ich fand dich ganz toll,
und deine Geschichten warn wundervoll".

Mach´s gut, komm bald wieder - und gib auf dich Acht -
wie oft hatte er diesen Satz gesagt!

Drei Monate gingen dann doch noch ins Land,
bis ich endlich den Weg zu meinem Opa fand.
Ich wusste, er lebte im Altenheim -
dort saß er am Fenster, so zerbrechlich und klein ...

Ich wollte ihn so vieles fragen,
und dennoch wusst ich nichts zu sagen.
Ich setzte mich zu ihm und nahm seine Hände.
Er sagte: "Ich wollte, es ginge zu Ende,
ich weiß nicht einmal, wer du eigentlich bist ...
Man wird furchtbar einsam, wenn man alles vergisst."

Ich konnte nicht reden, ließ Minuten verstreichen.
Ich suchte den Schlüssel, um ihn zu erreichen.
Dann wurde mir klar, was ich machen musste
und begann zu erzählen, was von "früher" ich wusste.
Sein Gesicht wurde jung, dann hat er genickt,
"Ja ich weiß! Und wir haben dann Popcorn verdrückt"!

Mach´s gut - ich komm wieder - und gib auf dich Acht,
das rief diesmal ich und wir ham beide gelacht.  

Alwine Menzel


 

Die Gabe der Unterscheidung

 

Es ist so wichtig zu sich selbst zu stehen,

denn wer mit sich in Zwietracht lebt,

der findet keinen Frieden und keine Zeit,

sich zu vereinigen mit dem geheimen Sinn,

der jedes Leben speist.

 

Wer sich nicht liebt und nicht vertraut,

wird immer auf der Flucht vor seinem eigenen Wesen sein,

von einem Abweg auf den anderen geraten

und in einer Öde enden, in der nicht einmal er

sein Freund sein kann.  

Hans Kruppa  

(http://www.hans-kruppa.de)  

 

 

Leise Menschen, leise Freundschaften,
stille Worte, stille Zeichen
übertönen lautstarkes Gerede, lautstarkes Getue,
überdauern die Kurzlebigkeit großer Versprechungen
leerer Gesten.
Margot Bickel

 

Miteinander plaudern und lachen,
sich Gefälligkeiten erweisen,
gemeinsam schöne Bücher lesen,
einander mal necken,
mal Achtung bezeugen,
gelegentlich auch Meinungsverschiedenheiten austragen,
aber ohne Hass.
Das ist, was man an Freunden liebt.
Aurelius Augustinus

 
Udo Hahn:

 

Die Welt ist, wie sie ist.
Und sie bleibt, wie sie ist.
Denkst du.
Was soll sich ändern?
Wenn du nicht einmal
mit dem Möglichen rechnest,
bleibt die Welt tatsächlich,
wie sie ist.
Hindernisse auf deinem Weg
machen dich ratlos.
Wie kannst du sie überwinden?
Erst allmählich merkst du,
wer dir den Weg versperrt.
Du bist es.
Du stehst dir selbst im Weg.

Lebe, was du hoffst.
Nur heute.
Und die Schranke öffnet sich.

 

Jeder Mensch hat die Möglichkeit,
sein Leben täglich neu zu beginnen.
Das geht nicht, sagen die,
die es noch nie versucht haben.
Das geht, sagen die,
die es trotz aller Rückschläge
immer wieder neu versuchen.
Mitten in der Dunkelheit
bricht ein neuer Tag an.
Licht macht das Leben hell.
Träume verlieren ihren Schrecken.
Ein neuer Weg.
Geh den ersten Schritt.
Bleib nicht stehen.

Werde, was du sein kannst.
Lass dich nicht
von der Vergangenheit einengen.
Lass dich nicht
von den Sorgen erdrücken.
Lass dich nicht
von deinen Plänen abbringen.
Sei, der du bist.
Reife mit jedem Tag.
Lache mit jedem Kind.
Hoffe mit jedem Atemzug.
Denn es gibt dich.
So wie du bist.
Unverwechselbar.
Das Leben hat dich gewollt.

 

 

Wenn ein wunderbarer Mensch vor dir steht, gib ihm die Chance ein Freund zu werden.

Wenn das große Glück vor dir steht, gib ihm die Chance erkannt zu werden.

Wenn deine Zukunft vor dir steht, gib ihr die Chance erlebt zu werden.

 Wenn die Ungewissheit vor dir steht, gib ihr die Chance Gewissheit zu werden.

Wenn die Vernunft vor dir steht, gib ihr die Chance aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

 Und wenn eines Tages die große Liebe vor dir steht, gib ihr jede erdenkliche Chance der Welt.

 ( Autor uns unbekannt )

 

 

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Diese Website wurde zuletzt aktualisiert 17.09.10